Viktor Gernot ist seit mehr als 40 Jahren auf Österreichs Bühnen zu Hause. Als Kabarettist, Schauspieler und Sänger hat er dabei viele Rollen ausprobiert – musikalisch war er allerdings schon lange vor seiner Bühnenkarriere unterwegs. Nun bringt er diese Seite wieder stärker ins Rampenlicht. Für „Songs & Stories“ hat er Lieder aus verschiedenen Stationen seines Lebens zusammengestellt und sich dafür ein ungewöhnliches Bühnenkonzept überlegt: Gernot spielt nicht nur selbst, sondern lässt sich bei einigen Nummern sogar von mehreren Versionen seiner selbst begleiten. Was dabei nach technischem Aufwand klingt, ist für ihn vor allem eines: eine neue Herausforderung …
Viktor Gernot: Es sind 20 Songs, die mich und das Publikum an früher erinnern, zum Beispiel an die Achtzigerjahre, als ich Tanzmusik gespielt habe. Das waren so meine ersten semi-professionellen Band-Erfahrungen. Es hat mir großen Spaß gemacht, ich habe dann aber auch genau gewusst, warum ich wieder damit aufgehört habe. Es sind auch Lieder aus meiner Zeit als Musicalsänger dabei, aus den über 30 Jahren mit meiner Band, aus der Zeit mit Richard Österreicher und seiner Big Band. Viele davon spiele ich jetzt zum ersten Mal alleine.
Ja, ein Erinnerungsbouquet. Und zu diesen Liedern gibt es dann viele Geschichten, die mir beim Zusammenstellen der Setliste wieder eingefallen sind. Da sind sehr viele Erinnerungen aufgepoppt. Manche davon sind sehr vergnüglich, manche ein bisschen nachdenklich oder sentimental. Es ist insgesamt ein sehr persönlicher Abend.
Die Songs haben natürlich ihren Ablauf und ihre Form. Aber die Geschichten habe ich nicht ausformuliert. Im Gegensatz zu einem Kabarettprogramm, wo es erst einmal eine Buchfassung gibt, habe ich diesmal immer nur eine Überschrift und ein paar Stichworte für die Anekdote, die ich an dieser Stelle erzählen möchte. Der Rest kommt aus dem Bauch heraus.
Definitiv, und ich bin schwerstens herausgefordert beim alleine Musizieren.
Ich habe sechs Nummern vorproduziert, wo ich die Band bin und die verschiedenen Instrumente per Video eingespielt werden. Da singe ich dann live die Hauptstimme und spiele ein Instrument dazu und der Rest wurde vorab im Tonstudio aufgenommen. Das ergibt eine Band, die es nie live geben kann, weil es eben fünf oder sieben Mal Viktor Gernot ist. Das war unbezahlbar.
Da war zu 100 Prozent keine KI im Spiel. Ich bin ja ein sehr konsequenter KI-Verweigerer und habe so gut wie keine Apps am Handy, weil ich darin eine große Gefahr sehe: zum einen für die Sicherheit der Menschheit und zum anderen für alle kreativen Berufsgruppen, einschließlich Journalist*innen und Bühnendarsteller*innen.
Ich habe mit dem Singen begonnen, das ist auch dann mein erlernter Beruf geworden. Und ich habe Gitarre spielen lernen dürfen in der Musikschule, so zwischen 9 und 17 Jahren. Dann ist Bass dazu gekommen, später Klavier, das habe ich mir autodidaktisch beigebracht, und in den letzten Jahren habe ich mir rudimentäre Schlagzeugfähigkeiten erworben.
Diese Instrumente jetzt selbst zu spielen, ist auch ein Statement gegen die KI – mit all den Möglichkeiten des kleinen Scheiterns, weil es da nie einen perfekten Abend geben wird. Es wird sicher Verspieler geben, aber das ist normal und menschlich. Ich bin kein studierter Pianist und auch kein hauptberuflicher Gitarrist.
Nein, das wollte ich unbedingt, es war für mich ein Geschenk. Meine Brüder haben beide Klavier spielen gelernt, aber mich hat es zur Gitarre gezogen. Ich habe keine Kinder, aber wer Kinder hat, sollte sie ein Musikinstrument lernen lassen. Das ist eine super Sache.
Ja, das gehört dazu. So zwischen 15 und 18 Jahren hat man mich auch nur schwer zum Üben gebracht. Ich habe dann schon viel Gitarre gespielt, aber nicht mehr das, was mir die Musiklehrerin zum Studium nach Hause mitgegeben hat. Aber ich glaube, das ist der klassische Weg. Und dieser Genuss, dieses Hochgefühl, wenn du zum ersten Mal ein Lied aus dem Radio, das dir gefällt, selbst mit der Gitarre spielen und dazu singen kannst, das ist großartig. Das ist mit ganz wenig zu vergleichen.
Ja, ich mache das mit Leidenschaft. Obwohl oder vielleicht gerade auch weil es mich enorm fordert. Das ist eine Konzentrationsaufgabe, und ich schwitze wie ein Bär, wenn ich ein paar Nummern spiele. Das ist hochintensives Sporteln. Und ich liebe es.
Es sind dauernd irgendwelche Leute wegen irgendwas angefressen, obwohl sie überhaupt nicht persönlich angesprochen worden sind. Und ich glaube, die Fähigkeit, Satire, Ironie und Humor wahrzunehmen, befindet sich im Sinken.
Es war ziemlich fordernd. Aber es waren alles Dinge, die ich mir erwählt hatte. Und ich kann immer nur sagen: Ich habe den Luxus gehabt, dass mir keine Sekunde fad war in meiner Kindheit und Jugend. Weil ich einfach so viel tun und lernen und erleben und ausprobieren wollte. Also, wenn ich jetzt Leute erlebe, die sagen: „Mir ist fad“ – das ist ein Zustand, den ich nicht nachspüren kann. Das kenne ich nicht.
Wer weiß, was oder wer aus mir geworden wäre, wenn ich eines gehabt hätte. Ich fürchte, das hätte mir gut gefallen.
Ich hätte zumindest Berufssportler beim Bundesheer werden können. Ich habe die Limitzeiten gehabt damals. Aber mir war schon auch klar, dass mir wahrscheinlich nicht der große Coup gelingen würde. Der österreichische Schwimmsport war damals ein Stück weiter entfernt von der Weltspitze als heute. Meine Vision wäre gewesen, vielleicht das Limit für eine Europameisterschaft zu schaffen. Und da wäre ich dann im zweiten Vorlauf auf Bahn acht auf Platz 42 gelandet. Dafür sechs Stunden am Tag reinarbeiten – da wollte ich lieber Musik machen.
Ja. Und ich habe Zeit, mit Freund*innen auszugehen und genieße das Leben. Aber der Schwimmsport war eine super Zeit.
Ja, das kann ich unterschreiben, absolut.
Es ist eine Abwechslung. Ich spiele ja auch noch mit dem Thomas Stipsits dieses Jahr unser gemeinsames Programm „Lotterbuben“ zu Ende, das war zweieinhalb Jahre lang unglaublich erfolgreich. Und es ist so für mich auch einfach eine Herausforderung, dass ich eben keine Band und kein Orchester mit dabei habe und mich ganz auf mich verlassen muss.
Das ist das Beste (Lacht.). Dafür haben es die Produktionskosten ganz schön in sich, weil ich ein Filmteam und die Tontechnik dabei gehabt habe für die Einspieler und auch Equipment und ein bisschen was einkaufen musste. Aber es ist eine wunderbare Sache.
Genau. Aber für meine ganze Karriere hat nie der Leitsatz gegolten, dass ich es mir leicht machen möchte. Das ist nicht mein Anspruch.
Also, wenn es danach geht, dann dürfte es keine darstellende Kunst mehr geben, weil alle Aggregatzustände des Menschseins von Liebe über Konflikte und Ängste bis zum Tod schon von William Shakespeare erzählt worden sind oder eigentlich schon von den griechischen Tragödien.
Natürlich habe ich als Kabarettist schon in vierzig Variationen über Beziehungsgeschichten gesprochen und über generationsrelevante Zustände und so weiter. Diese Scheu hätte ich nicht, dass ich mich dem wieder stelle, Themen zu finden.
Es wird aber insgesamt ein bisschen schwieriger fürs Kabarett, weil die Empörungsbereitschaft bei den Menschen so gewachsen ist in den letzten Jahren. Es sind dauernd irgendwelche Leute wegen irgendwas angefressen, obwohl sie überhaupt nicht persönlich angesprochen worden sind. Und ich glaube, die Fähigkeit, Satire, Ironie und Humor wahrzunehmen, befindet sich im Sinken. Also, du musst wirklich immer ein Zwinker-Smiley dazu machen oder ein Ausrufezeichen „Das ist jetzt lustig gemeint!“, weil die Leute so viel ernst nehmen, was gar nicht ernst zu nehmen ist. Und diese Bereitschaft, aus jedem zweiten Lärcherlschas, der irgendwie durch die Medien geht, einen Shitstorm zu machen, finde ich ein bisschen mühsam.
Nein, Gott sei Dank nicht. Da bin ich als People-Pleaser bislang ziemlich verschont geblieben. Es gibt immer wieder mal irgendjemanden, der sagt: „Das kann man nicht so sagen“ oder: „Was meinst du damit?“ oder sonst was. Aber das ist alles harmlos im Vergleich zu dem, was manchen Kolleginnen und Kollegen da schon widerfahren ist.
Viktor Gernot ist Kabarettist, Schauspieler, Sänger und Musiker. Seit mehr als 40 Jahren steht der Wiener auf der Bühne und war unter anderem langjähriges Mitglied der Kabarettgruppe Hektiker. Mit „Songs & Stories“ zeigt er aktuell seine musikalische Seite und erzählt persönliche Geschichten aus seinem Leben.
„Songs & Stories“ ist heuer unter anderem noch am 8. und 9. Oktober im CasaNova Wien, am 30. Oktober im Globe Wien sowie im November in Graz, Wiener Neustadt, Traun und Bad Hall zu sehen.


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