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Der Weg ist das Ziel

Mit dem Zug von Wien nach Südtirol: Eine Reise mit langsamen Wegen, mediterranen Momenten, kreativen Begegnungen und der schönen Erkenntnis, dass man manchmal gar nicht ankommen muss, um auf Urlaub zu sein.
Ritten Seilbahn Oberbozen mit Blick auf Bozen
© IDM/ Südtirol Wein/ Tiberio Sorvillo

Es ist erstaunlich, wie schnell Körper und Geist in der Natur herunterfahren.

Eine lange Zugfahrt mit einem Kleinkind. Von Wien nach Bozen, viele Stunden unterwegs, dazu umsteigen, warten und viel Gepäck. Für einen Urlaub, bei dem es eigentlich ums langsame Reisen gehen soll, starten wir also ziemlich ambitioniert. Ich frage mich vorab, wie lange die Geduld einer Dreijährigen hält und ob Slow Travel mit Kind wirklich so entspannt ist, wie es klingt.

Meine Zweifel erweisen sich schnell als unbegründet, denn meine Tochter findet Zugfahren großartig. Es gibt ein Kinderkino, ein Bordrestaurant, andere Kinder und beim Umsteigen spielen wir Uno, während wir auf den nächsten Zug warten. Dann kommen Verspätungen dazu, wir verpassen unseren Anschluss und wegen eines Unwetters wird alles noch ein bisschen komplizierter. Irgendwann sitzen wir im italienischen Zug, obwohl unser Ticket eigentlich nur für den ÖBB-Zug gilt. Also wieder aussteigen, warten, improvisieren.

Und währenddessen merke ich, dass genau das der Gedanke hinter dieser Reise ist: nicht möglichst schnell am Ziel zu sein, sondern unterwegs den Weg wieder wahrzunehmen. Vielleicht ist der Weg ja tatsächlich das Ziel. Und vielleicht beginnt Urlaub genau dann, wenn man aufhört, auf die Ankunft zu warten.

Auf Sommerfrische

Als wir in Bozen ankommen, regnet es in Strömen. Unser eigentliches Ziel liegt weiter oben: in Oberbozen auf dem Ritten. Die Rittner Seilbahn bringt uns in zwölf Minuten von Bozen auf den Berg. Was für uns wie ein kleiner Ausflug beginnt, ist für die Menschen hier ganz normaler Alltag. Die Seilbahn ist öffentliches Verkehrsmittel und bringt Einheimische genauso wie Urlauber*innen hinauf und hinunter. Oben ist plötzlich alles anders. Die Luft kühler, die Landschaft grüner, die Stadt weit weg.

Oberbozen zählt, ebenso wie Baden, der Semmering und Altaussee, zu den Wiegen der Sommerfrische. Bereits im 17. Jahrhundert flüchteten wohlhabende Bozner Familien im Sommer vor der Hitze hinauf auf den Ritten, bauten sich dort Häuser und verbrachten die warmen Monate in der Höhe. Vieles davon ist noch heute spürbar.

Wir werden mit einem Schirm abgeholt, unser Hotel liegt zwei Minuten von der Bergstation entfernt. Das Bella Posta Hotel ist neu, familienfreundlich, stylisch und gleichzeitig gemütlich. Wir essen und schlafen gut in dieser ersten Nacht.

Wald, Wunder & Genuss

Am nächsten Morgen geht es direkt vom Hotel los. Der Wald-Wild-Wunder-Weg startet bergauf und ist genau das, was man sich mit einem kleinen Kind wünscht: unkompliziert, naturverbunden und spannend. Es gibt Stationen, Tier-Figuren und Geschichten, der Weg führt durch Wälder und Wiesen. Die Strecke ist auch mit Kinderwagen gut zu bewältigen. Beim Lobishof machen wir Rast und essen. Danach geht es zurück ins Hotel.

Dort wartet die nächste Stärkung. Denn das Hotel bietet „Dolce Vita All Day“ und tatsächlich gibt es immer wieder kleine Snacks, Getränke, Kaffee, Aperitivo und einen Indoor-Pool. Wir sitzen auf der Terrasse, trinken etwas und schauen in die Landschaft. Es ist erstaunlich, wie schnell Körper und Geist in der Natur herunterfahren.

Wald-Wild-Wunder-Weg in Oberbozen
Wald-Wild-Wunder-Weg in Oberbozen © Alicia Weyrich

Mediterran & historisch

Wieder hinunter nach Bozen. Der Unterschied könnte kaum größer sein. Oberbozen ist kühl und ruhig, Bozen liegt warm und sonnig im Talkessel und fühlt sich sofort italienischer an.

Die Stadt präsentiert sich mediterran, lebendig und überraschend entspannt. Kleine Geschäfte, Bistros, Eisdielen und Cafés reihen sich aneinander, Menschen sitzen vor den Lokalen und trinken ihren Aperitivo. Vor Jahren war ich in Meran, das nur eine halbe Autostunde von Bozen entfernt liegt. Meran hat für mich etwas Eleganteres und vielleicht auch Konservativeres. Bozen wirkt jünger, kreativer und ein bisschen wilder.

Wir starten am Waltherplatz, gehen zum Dom Maria Himmelfahrt und von dort durch die Lauben. In den Arkaden und Seitengassen finden sich Concept Stores, Modegeschäfte, Handwerksläden, Feinkostläden und kleine Bistros.

Ein riesiger Ginkgo-Baum erscheint im Innenhof des Palais Campofranco. Laut der Tafeln wurde er vermutlich um 1889 gepflanzt und soll ein Geschenk von Kaiserin Sisi an ihren Onkel Erzherzog Heinrich gewesen sein. Was ich an diesem Ort fast noch spannender finde: historische Architektur trifft auf junges Design und junges Publikum, das zu DJ-Musik tanzt. Bozen schafft diese Mischung erstaunlich selbstverständlich.

Dolce far niente

Überhaupt merkt man in Bozen schnell, dass Südtirol nicht nur aus Bergen, Speck und Tracht besteht. Denn Südtiroler*innen sind eben Italiener*innen. Spätestens beim Aperitivo ist das klar. Ein Veneziano oder Aperol Spritz, dazu ein paar kleine Snacks und der Abend kann beginnen. Gegessen wird danach natürlich trotzdem. Und auch der Hugo darf nicht fehlen: Der Drink wurde übrigens in Naturns bei Meran erfunden.

Kulinarisch lerne ich hier viel. In der Region führt kein Weg an den Schlutzkrapfen vorbei. Und an Marende mit Schüttelbrot, Speck und Käse – die Südtiroler Variante der salzigen Jause. Wer selbst kocht, sollte eines unbedingt wissen: Eier brauchen in der Höhe länger, um weich zu werden. Bitte, gerne geschehen.

Die kreative Szene

Dass Bozen eine kreative Seite hat, zeigt sich an vielen Ecken. Ein gutes Beispiel ist DAMA studio. DAMA, das Fashion-Label von Dagmar Gruber, steht für zeitloses Design mit dem gewissen Etwas und produziert fast alles im eigenen Studio vor Ort.

Überhaupt ist die kreative Szene in Bozen und Umgebung größer, als man vielleicht vermuten würde. Denn in der Region gibt es eine lange Tradition, was die Handwerkskunst betrifft, von Stickerei, Leder, Uhren bis hin zu Heiligenstatuen, Krippenfiguren und Masken. Das zeitgenössische Handwerk führt diese Tradition auf moderne Weise weiter, zum Beispiel mit zeitgenössischer Keramik. Dazu kommen viele Kreative aus Design, Mode, Kunst, Architektur und Kommunikation – mittendrin franzLAB.

Die Kommunikationsagentur von Kunigunde Weissenegger und Anna Quinz verbindet Kommunikation, Publikationen, Kultur und Veranstaltungen und wirft einen Blick auf ein Südtirol, das weit über die bekannten Klischees hinausgeht. Gemeinsam veröffentlichen sie unter anderem das Travel Book „Josef“ und das franzmagazine, in deutscher, italienischer und manchmal auch englischer Sprache.

Wes Anderson lässt grüßen

Ich treffe Kunigunde von franzLAB im Parkhotel Mondschein (bald mehr dazu auf funk tank). Das Mondschein wirkt auf mich wie aus einem Wes Anderson-Film entsprungen. Ein historisches Haus, alte Details, moderne Möbel, ein großer Park, ein schicker Pool, Palmen und dazwischen Menschen, die Matcha trinken, Yoga machen oder einfach im Garten sitzen. Aber auf angenehme Weise.

Das Hotel ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich Bozen gerade verändert: Die Geschichte bleibt sichtbar, aber sie wird neu interpretiert. Im Hof gibt es sogar einen Monocle-Shop, very international also. Hier entdecke ich den Aperol Sour für mich und könnte problemlos einen ganzen Nachmittag im Park des Hotels verbringen. Aber ich muss wieder rauf auf den Berg, die Sommerfrische wartet.

Jazz auf dem Berg

Während unseres Aufenthalts in Bozen findet auch das Südtirol Jazzfestival Alto Adige statt. Jazz wird dabei nicht nur in klassischen Konzertsälen gespielt, sondern zehn Tage lang an ganz unterschiedlichen Orten in der Region. Modern, experimentell, traditionell – die Spielstätten sind Teil des Erlebnisses.

Wir landen zum Frühschoppen samt Festival im Parkhotel Holzner in Oberbozen. Das Hotel ist das erste Hotel am Platz, ein traditionsreiches Haus mit sehr viel Platz (es gibt sogar ein „Kids Casino“). Besonders der Pool und die Aussicht haben es mir angetan. Die Stimmung ist entspannt, die Musik vom Trio rund um Felix Hauptmann passt dazu und wieder stellt sich dieses Gefühl ein, dass man eigentlich gar nicht mehr weiter müsste. Wir bleiben daher sitzen.

Erfrischung & neue Bekanntschaften

Am nächsten Tag steigen wir in die Rittner Schmalspurbahn ein. Die historische Bahn fährt seit 1907 über den Ritten und verbindet unter anderem Oberbozen, Maria Himmelfahrt und Klobenstein. Unser Ziel ist der Wolfsgrubener See.

Die kleine Bahn fährt durch die Landschaft, vorbei an Wiesen und Häusern, langsam genug, um tatsächlich etwas davon mitzubekommen. Wir steigen aus und gehen länger als gedacht – zumindest am Hinweg bergab. Am Wolfsgrubener See angekommen, entdecken wir einen kleinen, dunklen und etwas verwunschenen Badesee. Wir gehen schwimmen, kühlen uns ab und kommen schnell mit anderen Menschen ins Gespräch. Mit Kind geht das ohnehin immer erstaunlich schnell.

Abends fahren wir zurück nach Oberbozen, essen im Hotel und spazieren durch den Ort. Die Luft ist kühl, es riecht nach Wald und Tier, für Stadtmenschen nach einem 40-Grad-Sommer eine wahre Wohltat.

Zum Abschluss geht’s noch einmal mit der Seilbahn hinunter. Wir schlendern durch Bozen, trinken einen letzten Kaffee, essen noch ein letztes Eis und machen uns schließlich auf zum Bahnhof. Diesmal läuft die Zugfahrt deutlich unspektakulärer. Nur eine Verspätung. Meine Tochter schläft irgendwann ein. Müde, zufrieden und voller neuer Eindrücke.

Zurück in Wien sagt sie, dass sie wieder nach Bozen möchte. Ihre neuen Freunde und Freundinnen treffen. Mission Slow Travel geglückt.

Dom Maria Himmelfahrt Bozen
Dom Maria Himmelfahrt © Alicia Weyrich

Bozen ist mit rund 107.000 Einwohner*innen die Landeshauptstadt Südtirols und liegt auf 262 Metern Seehöhe. Mediterranes Lebensgefühl trifft hier auf alpine Tradition, mittelalterliche Lauben, italienische Aperitivo-Kultur und eine überraschend kreative Szene.

Oberbozen ist der kühle Gegenpol zur Stadt und zugleich eng mit ihr verbunden: Mit der Rittner Seilbahn geht es in nur rund zwölf Minuten von Bozen auf etwa 1.200 Meter hinauf.

Anreise:

  • Zug: Wien → Bozen
  • Rittner Seilbahn: Bozen → Oberbozen, ca. 12 Minuten
  • Rittner Bahn: historische Schmalspurbahn am Ritten

RittnerCard:

  • erhältlich bei teilnehmenden Unterkünften
  • kostenlose Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel
  • inklusive Rittner Seilbahn und Rittner Schmalspurbahn
  • weitere Inklusivleistungen, Eintritte & Ermäßigungen

Schlafen:

  • Parkhotel Mondschein – Bozen
  • Parkhotel Laurin – Bozen
  • Eisenhut Boutique Hotel – Bozen
  • Bella Posta – Oberbozen
  • Parkhotel Holzner – Oberbozen

Bistros & Lokale:

  • Bogen Bistro
  • Exil Lounge Café
  • Fischbänke
  • Gasthaus Fink
  • Vögelino
  • Vögele
  • Osteria dai Carrettai
  • Restaurant 37
  • Meta Restaurant
  • Toma
  • Luna Bar/Parkhotel Mondschein

Kaffee & Eis:

  • Loacker Café
  • Gelateria Portogallo
  • Eccetera
  • Waag Café

Museen:

  • Südtiroler Archäologiemuseum (Ötzi!)
  • Museion
  • Stadtmuseum Bozen
  • Merkantilmuseum
  • Fondazione Antonio Dalle Nogare

Mode & Shopping:

  • DAMA studio
  • KAURI Store
  • Sublime
  • TonHaus
  • Oberrauch-Zitt
  • Luis Trenker
  • Victorienne
  • Palais Moiré
  • ÀTTIC
  • Rizzolli Manufaktur 1870
  • Feinkost Schrott
  • Pur Südtirol
  • Gutweniger Spielwaren

Sehenswert:

  • Waltherplatz
  • Dom Maria Himmelfahrt
  • Lauben
  • Obstmarkt
  • Palais Campofranco
  • Schloss Runkelstein

Mit Kind:

  • Wald-Wild-Wunder-Weg
  • Rittner Erdpyramiden
  • Wolfsgrubener See
  • Talferwiesen
  • Lobishof

Events:

  • Südtirol Jazzfestival
  • Bolzano Festival
  • Transart Festival

Bolzano Bozen

Compliance-Hinweis: Die Reise erfolgte auf Einladung von IDM Südtirol.

funk tank Herausgeberin und Chefredakteurin Alicia Weyrich
Alicia Weyrich
arbeitet als Journalistin, Texterin und PR-Beraterin in Wien. Neben dem geschriebenen Wort liebt sie die Musik, das Meer, gutes Essen sowie Zeit mit ihren Lieblingsmenschen.

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