Über 16 Jahre lang hat Harald Anzböck gekocht, unter anderem bei DO & CO, in London und im Palais Coburg. Heute steht er in der Gumpendorferstraße zwischen alten Büchern, historischen Zeitungen und Schallplatten. Die Firma Bücher Ernst gibt es seit 48 Jahren. Jetzt führt Anzböck das Geschäft seines Vaters weiter. Er hat umgeräumt, aussortiert, die Website modernisiert und neue Dinge ins Sortiment geholt. Gleichzeitig bewahrt er das, was das Geschäft seit Jahrzehnten ausmacht: das Stöbern, das Sammeln und die Geschichten, die in alten Büchern und Zeitungen stecken.
Im funk tank-Interview erzählt der zweifache Familienvater, warum er vom Herd hinter die Verkaufsbudel gewechselt hat, was vom Werk seines Vaters geblieben ist und warum ein Antiquariat auch heute noch gut in die Zeit passt …
Harald Anzböck: Die Firma gibt es seit 48 Jahren. Das Zeitungsantiquariat seit ungefähr 40 Jahren.
Vieles ist anders. Das Personal ist weniger geworden, weil so viele Mitarbeiter*innen einfach nicht notwendig waren. Mein Papa hatte da vorher etwas zu viel investiert. Die Angebotskiste draußen habe ich anders gemacht. Die Auslagen sind ganz anders, auch die aufkaschierten Sachen.
Das Schallplatten-Angebot habe ich hier im sechsten Bezirk angefangen, weil immer wieder Nachfrage danach war. Das funktioniert auch ganz gut. Ich recherchiere zu allen Schallplatten, schaue mir alle Platten an und bereise auch alle. Schallplatten kaufe ich auch immer an, vor allem Rock und Pop.
Extrem unterschiedlich. Mein Papa hat mich in den ersten Jahren eigentlich gar nichts machen lassen. Da waren drei Mitarbeiter *innen zu viel da. Ich habe dann einige Lager adaptiert, einiges umgeräumt und alles aufgearbeitet, was mein Papa einfach immer nur ins Lager gegeben hatte.
Auch die Homepage haben wir neu gemacht. Sie ist nicht perfekt, aber moderner. Dadurch findet Google uns auch leichter als mit der alten Homepage, die komplett überladen war. Mein Papa hat überladene Sachen sehr gemocht.
Ja, genau. Auch wenn hier ein Film gedreht wird, was alle zwei Jahre einmal vorkommt, sagen die Leute sogar, dass wir vorher nicht zu viel aufräumen sollen. Sonst müssten sie für die Dreharbeiten wieder Sachen herräumen (Lacht.).
Ich habe Koch gelernt und ungefähr 16 Jahre lang als Koch gearbeitet.
Gelernt habe ich im Hilton am Stadtpark. Danach war ich bei DO & CO, dann bei DO & CO in London und noch bei einem anderen Betrieb in London. Insgesamt war ich zwei Jahre in London. Danach war ich im Palais Coburg. Also eigentlich eher bei den ganz Großen.
Wir haben nie wirklich darüber geredet. Es war ihm nicht egal, aber er hat nie darüber gesprochen. Mein Papa hat irgendwie geglaubt, dass er 150 Jahre alt wird und dann hier im Geschäft stirbt und danach die Sintflut kommt. Er hat nicht wirklich darauf geschaut, ob das jemand übernimmt.
Ich habe mir irgendwann gedacht, dass ich gern aus der Gastronomie raus möchte. Wir haben im Bezirk Baden ein Haus gebaut und haben zwei Kinder. Ich wollte nicht mehr bis Mitternacht arbeiten. Dann haben wir uns das hier angeschaut und mir war klar: Das passt. Das taugt mir. Ich verkaufe gern und arbeite gern mit Kundinnen und Kunden.
Vielleicht gibt es irgendwann einen Backlash und die Menschen machen nicht mehr alles digital. Und lesen nur mehr Bücher.
Nur wenn ich daran denke, dass wir die Fläche neben uns anmieten könnten. Dort gibt es viel Auslagenfläche. Das Verkaufen funktioniert auch über die Auslage gut. Wenn das Geld da wäre, würde ich dort vielleicht einen Plattenladen mit kleiner Gastronomie machen. Aber nicht am Abend. Vielleicht einmal im Monat am Abend eine Party. Kaffee, etwas Süßes und zwei oder drei kleine Speisen. Bekannte Speisen, zum Beispiel Beef Tartare. Ich liebe Beef Tartare.
Ich müsste halt heute noch im Lotto gewinnen, dann würde es passen. Es struggeln so viele, die sich hier in der Umgebung etwas aufbauen. Es starten viele, aber ich glaube, viele kommen sehr schnell wieder zurück am Boden der Realität. Der Burgerladen links zum Beispiel. Da waren auch schon drei verschiedene drinnen. Obwohl das hier eigentlich eine bessere Gegend ist, die immer belebter wird.
Ja. Aber ich habe den Stress geliebt. Ich habe die Hitze geliebt, das Schwitzen, das schöne Anrichten und das Kochen. Ich wollte dann einfach nicht mehr bis Mitternacht arbeiten. Mit Familie ist es natürlich anders. Wenn man draußen in Baden wohnt und dann am Wochenende bis Mitternacht arbeitet, muss das nicht mehr sein.
Ich koche viel mehr als vorher.
Ich glaube, dass es früher schlechter war. Früher war es hart. Ich habe Ende der 90er-Jahre mit der Lehre angefangen und davor war es sicher noch härter. Bei uns hat in der Lehre immer jemand geweint. Die Lehrlinge waren im Keller oder im Kühlhaus und haben gelitten. Auch die Teildienste sind viel weniger geworden. Heute werden Köchinnen und Köche gesucht. Wenn du jemanden schlecht behandelst, ist der gleich wieder weg. Jedes Haus braucht Kellner*innen. Die Koch-Profis können sich heute aussuchen, wo sie arbeiten.
Der Druck in der Hauben- und Sterne-Gastronomie wird immer bleiben. Aber die Leute wollen das teilweise auch. Mir war der Stress auch egal. Man muss immer das Level halten, immer on top sein und immer die beste Karte machen. Das ist schon hart. Die Gastronomie war immer auch ein Machtspiel.
Wenn drei, vier oder fünf Kundinnen und Kunden auf einmal da sind und alle Zeitungen wollen, dann ist es schon positiv, dass ich in der Gastronomie war und diesen Stress gehabt habe (Lacht.).
Definitiv. Das Mentale dahinter ist natürlich etwas anderes. Man sieht dann: Wo kommt das Geld her? Wann zahle ich diese Rechnung? Das ist schon herausfordernd. Aber die Arbeit an sich ist viel gemütlicher.
In der Gastronomie einfach so dazusitzen wie wir jetzt, das gab es bei mir nie. Ich bin immer an irgendetwas dran. Es gibt immer etwas zu tun. Das kennt man aus der Gastronomie und das wissen die Mitarbeiter*innen. Es gibt immer etwas zu tun. Und so ist es auch hier.
Wir haben auch viele Politiker*innen als Kundschaft. Und manchmal schenken sie sogar genau das Gegenteil von dem, wofür sie selbst politisch stehen. Ein Roter schenkt eine schwarze Zeitung, ein Schwarzer eine rote Zeitung, ein Blauer eine rote Zeitung. Das ist ziemlich lustig.
Ja. Ich habe zum Beispiel eine neue Registrierkasse gemacht. Vorher standen irgendwelche Klapptische herum. Es ist schon ein bisschen geordneter geworden, auch wenn es gerade nicht danach ausschaut. Der Verkaufsraum ist etwas geordneter und hinten auch.
Außer wenn man gerade Sachen eingekauft hat. Wenn man ganze Sammlungen einkauft, stehen überall Bananenkartons herum. Aber das ist in jedem Antiquariat so.
Insgesamt sind wir sieben Mitarbeiter*innen. Hier sind wir meistens zu zweit. Oben in der Zeitungsabteilung sind es insgesamt drei und am Luegerplatz sind es zwei.
Nein. Das denke ich mir gar nicht. Mein Papa und ich sind hin und wieder aneinandergekracht und waren komplett unterschiedlich. Mein Papa ist fast 91 Jahre alt geworden und bis zum Schluss hier dagestanden. Ich wollte schon damals viel ändern, durfte aber vom Papa aus wenig machen. Deswegen denke ich nicht darüber nach, was mein Papa gemacht hätte. Er wollte nie ins nächste Jahrtausend gehen. Er wollte immer alles beibehalten, egal was. Das war mit der Homepage, mit Google Ads und mit allen möglichen Sachen einfach nicht so gut.
Auf jeden Fall. Das hat sich auch gezeigt, als ich die schönen Ansichten draußen mit Pflanzen, Tieren und Gestein ausgestellt habe und viel verkauft wurde dadurch. Wenn ich etwas gemacht habe, an das er nicht geglaubt hat und es dann funktioniert hat, war das natürlich schön und das hat er auch anerkannt.
Ich kaufe gern ein und ich verkaufe gerne. Wir haben mit den Geburtstagszeitungen ein Topprodukt.
Mein Papa hat mit der Wiener Zeitung und der Arbeiter-Zeitung angefangen und die Bestände aufgekauft. Von der Wiener Zeitung haben wir fast den kompletten Bestand, von der Arbeiter-Zeitung ebenfalls sehr viel. Dazu kommen Bestände von privaten und staatlichen Institutionen, von Zeitungsverlagen und von privaten Sammlern, die zum Beispiel 30 Jahre lang Chroniken gesammelt haben und uns diese Bestände dann verkaufen. So ist das mit den Zeitungen entstanden.
Wir haben ungefähr zwei Millionen Zeitungen und Zeitschriften auf Lager.
Eigentlich nicht. Außer es ist ein Montag in den 50er- oder 60er-Jahren, als es einen zeitungsfreien Tag gab. Oder es gab weniger Zeitungen. Da haben sich manche Zeitungen Schlupflöcher gesucht und zum Beispiel „Wiener Montag“ oder „Welt am Montag“ herausgebracht. Oder es sind Tage, an denen zum Beispiel Kriegsende war. Da gibt es dann keine Zeitungen. Sonst haben wir jeden Tag und viele davon.
Ja. Das ist definitiv unser Hauptgeschäft. Wir verkaufen zwischen 50 und 100 Zeitungen in der Woche.
Im Durchschnitt sind es ungefähr 80 bis 100 Euro, weil meistens noch etwas dazugenommen wird. Man kann die Tageschronik personalisieren. Man kann eine Bravo, einen Playboy, eine Autozeitschrift oder eine Sportzeitschrift dazunehmen. Dazu kann man einen Zeitungshalter, eine Rolle oder eine Mappe kaufen. Man kann auch noch ein Foto in die Tageschronik geben.
Ich glaube, dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen, weil man es kennt. Wir sind mittlerweile seit ungefähr vierzig Jahren am österreichischen Markt und haben dieses Produkt als schönes und interessantes Geschenk etabliert. Wir sind die Einzigen in Österreich, die das in diesem großen Ausmaß anbieten.
Es ist außerdem etwas, das nicht jede*r hat und das noch nicht jede*r geschenkt bekommen hat. Es ist individuell und etwas anderes. Ich glaube, genau das macht den Reiz aus: Die Zeitung ist genauso alt wie die Person und es ist etwas Unübliches, das man nicht ständig schenkt.
Wir haben sehr viel Stammpublikum, aber auch neue Kundschaft. Es ist eine gute Mischung. Viele finden uns im Internet und fragen dann über die Homepage wegen eines bestimmten Datums an. Wir schreiben zurück, welche Zeitungen wir von diesem Datum haben. Oder sie kommen direkt her und wir zeigen Musterexemplare.
Ich glaube, ungefähr 80 Prozent kommen direkt und schauen sich um, stöbern und schauen, was wir im Bestand haben. Wenn jemand sagt, er hätte gerne ein bestimmtes Buch, zum Beispiel als Geschenk zum fertigen Medizinstudium eines Enkels, schauen wir, was wir haben. Und wenn wir das Gesuchte nicht haben, recherchieren wir weiter.
Wir besorgen sehr viele Bücher auf Anfrage. Zuerst schauen wir in unseren Bestand, dann fragen wir in der Filiale im ersten Bezirk nach und dann bei Kolleginnen, Kollegen und bekannten Sammlerinnen und Sammlern. Da haben wir ein großes Netzwerk.
Eigentlich alle. Vom Hausmeister bis zum Direktor. Wir haben auch viele Politiker*innen als Kundschaft. Und manchmal schenken sie sogar genau das Gegenteil von dem, wofür sie selbst politisch stehen. Ein Roter schenkt eine schwarze Zeitung, ein Schwarzer eine rote Zeitung, ein Blauer eine rote Zeitung. Das ist ziemlich lustig.
Bei den Büchern ist es sehr individuell. Manche suchen etwas für sich selbst, andere ein Geschenk.
Nicht immer wieder, aber es gab ein Buch namens „Curiosa Physica“. Das haben wir jetzt verkauft. Es war recht teuer und sehr interessant.
Nein, weil die Geschmäcker so unterschiedlich sind. Topseller sind das Sacher-Kochbuch und das Krone-Kochbuch. Das kann ich im Dezember zehnmal verkaufen, wenn ich es habe.
Dann irgendetwas, das mit dem Kaiser zu tun hat. Zum Beispiel „Wien seit sechzig Jahren. Ein Album für die Jugend“ zum 60. Thronjubiläum von Kaiser Franz Joseph. Das ist recht klein und handlich und nicht so teuer. Wenn ich so etwas angeboten bekomme, kaufe ich es eigentlich immer, weil es sehr gut funktioniert. Überhaupt alles zum Thema Wien.
Sonst gehen wir in jede Sparte. Schallplatten, Musikkassetten, Bücher, Stadtpläne, Landkarten. Wir sind da überall gut aufgestellt. Landkarten haben wir auch sehr stark. Wien-Pläne gehen immer, fast egal aus welcher Zeit.
Wir haben solche Sachen. Auch Zeitungen aus dieser Zeit, auf denen manchmal ein Hakenkreuz ist. Wenn die Leute das wollen, haben wir zum Beispiel den „Völkischen Beobachter“ mit dem großen Hakenkreuz. Ich würde so etwas nicht schenken und ich mag es auch nicht unbedingt verkaufen. Aber es ist eben nur eine Tageszeitung. Wir haben natürlich auch Bücher, die in diese Richtung gehen. Die sind hinten in der „Giftlade“.
Fotos aus dem Zweiten Weltkrieg oder aus Kriegen nehmen die Leute zum Beispiel gezielt. Bücher aus der Zeit haben wir auch en masse. Die werden eher nicht von Rechten gekauft, sondern auch sehr viel von jungen Leuten, die das analysieren wollen und wissen wollen, was damals geschrieben wurde. Also als Zeitdokument.
Ich glaube, es ist das Haptische. Viele Menschen wollen ein Buch wirklich in der Hand haben. Es ist etwas, das man anfassen kann.
Was uns heute zunehmend Probleme macht, ist sicher auch die KI und die Frage des Datenschutzes. Was passiert zum Beispiel mit unseren Fotos? Nicht nur mit Kinderfotos, sondern auch mit dem, was daraus in Zukunft gemacht werden kann und wie wir dann möglicherweise dargestellt werden.
Vielleicht gibt es irgendwann einen Backlash und die Menschen machen nicht mehr alles digital. Und lesen nur mehr Bücher.
Draußen war einmal ein Papa mit seinem Kind. Das Kind hat gesagt: „Ich hätte gern das Pippi-Langstrumpf-Buch da.“ Und der Papa hat geantwortet: „Nein, das hast du eh am Tablet.“ Das finde ich schon schrecklich. Meine zwei Kinder haben wahrscheinlich vierhundert Bücher oder noch mehr.
Ja, mir geht es sehr stark darum. Ich freue mich, wenn ich das Handy zur Seite legen kann. Letztens habe ich mein Handy zu Hause vergessen, als ich die Kinder abholen gefahren bin. Und das war wunderschön. Da merkt man erst einmal, wie schön es sein kann, kein Handy in der Hand zu haben.
Ich möchte auch im Urlaub nicht ständig das Handy in der Hand haben und erreichbar sein, auch wenn ich es beruflich vielleicht müsste. Wenn ich gerade ein Buch lese, mit meinen Kindern beschäftigt bin oder Zeitung lese, dann mache ich das. Dann brauche ich nicht noch zusätzlich die Beschallung von allen anderen Seiten.
Ja, ich glaube schon. Gerade durch dieses schnelle Online-Klicken. Wenn wir einen Webshop hätten, wäre das wahrscheinlich noch einmal etwas anderes – und für uns natürlich gut.
Das Aufarbeiten wäre allerdings ziemlich viel Arbeit. Das hätten wir eigentlich schon viel früher anfangen können. Bei den Zeitungen wäre das vielleicht noch machbar, bei den Büchern ist es schwieriger. Dann bräuchte ich wieder mehr Personal.
Wenn ich ans Wiederverkaufen denke, würde ich wahrscheinlich die besseren Bücher nehmen. Wenn ich an meine persönliche Leidenschaft denke, wären es eher attraktivere Bücher, Romane mit schönen Einbänden und interessantem Inhalt. Bei schönen Romanen ist der Inhalt vielleicht manchmal sogar nebensächlich. Ich mag vor allem Bücher, die man nicht unbedingt vom Namen her kennt, sondern die um 1900 wunderschön gestaltet wurden, zum Beispiel mit Jugendstil-Einbänden.
Inhaltlich wären es wahrscheinlich österreichische Romane und österreichische Autor*innen. Ich mag auch feministische Bücher und stelle solche Sachen gerne ins Schaufenster, um ein bisschen zu provozieren. Es ist eigentlich schlimm genug, dass man damit noch provoziert. Aber auch politische Bücher würden in meinem Regal stehen. Ich mag Politik. Zum Beispiel „Die Waffen nieder!“ von Bertha von Suttner.
Eins zu eins wie jetzt. Es soll schon so bleiben. Die Technik darf natürlich neuer sein. Aber es soll alte Bücher geben. Es sollen Sammler*innen, Historiker*innen und Interessierte kommen.
Die Bücher sind dann eben nicht mehr hundert oder hundertzwanzig Jahre alt und aus dem Jahr 1900, sondern zweihundert Jahre alt. Und dann sind sie vielleicht mehr wert. Es wird natürlich auch weniger davon geben. Vielleicht gibt es dann in Wien nur noch vier Antiquariate, wenn wir überhaupt noch da sind.
Wir waren früher in der Gumpendorferstraße drei Antiquariate. Am Luegerplatz und in der Wollzeile gab es ebenfalls mehrere. Jetzt sind wir in diesen beiden Straßen teilweise das letzte Antiquariat. Bei den meisten gibt es keine Nachfolger*innen. Viele lassen ihr Geschäft auf.
Wenn es uns also noch gibt, darf es von mir aus genau so bleiben, wie es jetzt ist. Ich möchte auch dann noch Zeitungen verkaufen, die es wahrscheinlich längst nicht mehr gibt. Vielleicht nimmt man dann einfach die Zeitung, die hundert Jahre zuvor am Geburtstag einer Person erschienen ist. Das machen wir jetzt schon manchmal. Wenn jemand zum Beispiel 2021 geboren wurde, nehmen wir eine Zeitung aus dem Jahr 1921. Das geht sich jetzt schon aus.
Das ist eigentlich eine schöne Vorstellung: Auch in hundert Jahren könnte man schauen, was an diesem Tag hundert Jahre zuvor passiert ist.
Das Antiquariat Bücher Ernst besteht seit 48 Jahren. Heute arbeiten insgesamt sieben Mitarbeiter*innen an zwei Standorten in Wien: in der Gumpendorferstraße und am Stubentor.
Rund zwei Millionen Zeitungen und Zeitschriften lagern im Bestand, pro Woche werden etwa 50 bis 100 historische Zeitungen verkauft. Besonders gefragt sind personalisierte Geburtstagszeitungen. Zum Sortiment gehören außerdem rund 30.000 Bücher, 40.000 Ansichtskarten, 15.000 Schallplatten, Musikkassetten, Stadtpläne, Landkarten, Kunstgrafiken und weitere antiquarische Raritäten.


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