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Jetzt spricht die Ratte

Zwei Männer, eine Ratte und jede Menge Narrenfreiheit: Wenn Robert Steiner und Rolf Rüdiger auf Sendung gehen, ist vieles möglich, nur keine Langeweile. Was hinter dem ungewöhnlichen Duo steckt, das eigentlich ein Trio ist und warum die drei auch nach Jahrzehnten noch so gut miteinander auskommen, erzählen sie im funk tank-Interview.
Robert Steiner, Rolf Rüdiger und Puppenspieler Stefan Gaugusch im Interview: Zum Kabarettpreis sprechen sie über Radio, Humor und ihr Erfolgsgeheimnis.
Robert Steiner, Rolf Rüdiger und Stefan Gaugusch © Mathias Ziegler

Seit 21 Jahren beantworten Robert Steiner und Rolf Rüdiger (aka Puppenspieler und Sprecher Stefan Gaugusch) am Sonntagvormittag auf Radio Wien mit viel Humor Quizfragen von Kindern und Erwachsenen. Seit sechs Jahren sind sie auch täglich eine Stunde lang mit verschiedensten (Rate-)Spielen live auf Sendung. Heuer werden sie beim Österreichischen Kabarettpreis dafür mit dem Sonderpreis ausgezeichnet. Ein Gespräch mit zwei Männern und einem Ratz über schwitzende Hände, Robert Steiners Zähne und das Erfolgsgeheimnis ihrer „WOW“-Sendungen.

funk tank: Rolf Rüdiger, die wichtigste Frage zuerst angesichts der Sommerhitze: Ratten können ja nicht schwitzen …

Stefan Gaugusch: Oja, innen können sie schon schwitzen! Wenn man lange genug mit der Hand drinnen steckt. (Lacht.)

Stimmt. Kühlst du dich auch von innen ab, mit Eis zum Beispiel? Hast du eine Lieblingseissorte?

Rolf Rüdiger: Den Klassiker: Erdbeer.

Ich hätte jetzt Cremeschnitten-Eis erwartet.

Rolf Rüdiger: Wenn, dann gleich richtige Cremeschnitten.

Wie habt ihr zwei – oder eigentlich drei – euch gefunden? Rolf Rüdiger, du hast ja 1994 als Sidekick von Confetti im ORF-Kinderprogramm begonnen. Während Confetti TiVi 2008 eingestellt wurde, gibt es dich immer noch an der Seite von Robert Steiner.

Robert Steiner: Wir haben uns vor über 30 Jahren bei Confetti TiVi kennengelernt. Damals war ich bei Ö3 und habe ein Interview mit euch gemacht.

Rolf Rüdiger: Und nach der Ausstrahlung dieses Interviews war er nimmer bei Ö3.

Robert Steiner: Das war tatsächlich so. Ich habe nämlich die beiden am Schluss gefragt, was sie an Ö3 mögen. Und der Confetti hat gesagt: „Ich mag die Musik nicht.“ Und der Rolf Rüdiger: „Ich mag die Moderatoren nicht.“ Das war meine letzte Sendung auf Ö3.

Stefan Gaugusch: Aber damals waren sie auch extrem nervös im ORF wegen der Privatradios. Dein Abgang war nicht das Schlechteste.

Robert Steiner: Das stimmt.

Darf Rolf Rüdiger Dinge sagen und machen, die Robert Steiner und Stefan Gaugusch verwehrt sind?

Stefan Gaugusch: Ja, schon. In so einer Figur lassen sich ganz gut Grenzen ausloten, die bei einem Moderator schon überschritten wären. Aber sie gehören immer wieder abgetastet.

Robert Steiner: Es ist ein bissl Anarchie pur, aber das ist auch gut so.

Rolf Rüdiger: Das Tolle ist, dass wir wirklich machen, was wir wollen. Das betrifft die komplette Sendung. Es gibt keinen Redakteur und keine Redakteurin – die Spiele entwickeln wir selber, oft auch durch Zufall. Und es gibt keine Sitzungen, wo irgendwer sagt: „Das können wir so nicht machen.“ Ich glaube, das gehört zum Erfolgsgeheimnis unserer Sendung. Nur die Musik ist von Radio Wien vorgegeben.

Robert Steiner: Wobei wir da schon freie Hand haben, was davon wir spielen.

Was unterscheidet Robert Steiner von Confetti?

Rolf Rüdiger: In erster Linie die Haare – und die Zähne. (Robert Steiner kommt aus dem Lachen nicht mehr heraus.) Confetti hatte zwei Zähne, der Robert hat (Denkt nach und zählt offenbar.) sechsundfünfzig. Und alle oben. Ja, und er hat Haxen, Confetti hatte keine.

Wer hat den besseren Schmäh?

Rolf Rüdiger: Ich.

Robert Steiner: Das war klar, oder?

Habt ihr tatsächlich in der Sendung immer so viel Spaß, wie es sich anhört?

Stefan Gaugusch: Oft schon, aber nicht immer. Wir treffen uns fast häufiger als Ehepartner. Wir kennen uns inzwischen schon sehr gut und können uns gegenseitig prächtig nerven mit Aussagen, die der andere schon in- und auswendig kennt. Wenn zum Beispiel der Robert mich mit Schmähs langweilt, die ich ihm vorher erzählt habe.

Robert Steiner: Aber prinzipiell mögen wir auch dieselben Sachen: Vergnügungsparks, Hochschaubahnen, Musicals, …

Rolf Rüdiger: Ich glaube, ein wesentlicher Erfolgsfaktor von „WOW“ sind gar nicht wir, sondern die Kinder, die Meldungen schieben, die Erwachsene nicht sagen würden und auch viel lachen. Und bei „Die 2 um 2“ ist es vor allem die Nostalgie, die wir mit den Bezügen auf die vielen alten Sendungen bedienen, dieses wohlig-familiäre Gefühl von Wickie, Slime und Paiper.

Trotzdem, sechs Tage die Woche live auf Sendung schaffen nicht einmal die vom Ö3-Wecker oder Armin Wolf.

Stefan Gaugusch: Das hat damit zu tun, dass diese tägliche Stunde in der Pandemie irgendwie passiert ist.

Robert Steiner: „WOW“ am Sonntag gibt es seit 2005 und „Extra WOW – Die 2 um 2“ auch schon seit 2020. Wer macht so lange eine tägliche Sendung?

Stefan Gagausch: Damals hat es funktioniert, weil wir eh sonst nichts zu tun hatten – also eh alle. Für mich war es nur gewöhnungsbedürftig, weil ich bis dahin kein regelmäßiges Engagement hatte und schon gar nicht ein tägliches. Es geht aber auch nur deshalb, weil wir für die Sendung nicht beide im Studio sitzen müssen.

Weil man ja nur eure Stimmen hört und euch nicht sieht.

Stefan Gagausch: Und weil wir die einzige Sendung sind, die nicht der Moderator selbst fährt, wie es im Radio heißt, sondern die technische Betreuung machen die Moderatoren und Moderatorinnen der Sendungen vor oder nach uns oder die Kollegen und Kolleginnen von der Technik. Großes Danke an dieser Stelle!

Schwierig sind wir beide, aber das liegt vielleicht auch daran, dass wir nach 21 Jahren immer noch nicht herausgefunden haben, wer der Chef ist. Einbilden tut es sich jeder von uns. Somit funktioniert es eigentlich ganz gut.

Sind eure Sendungen reine Unterhaltung oder habt ihr auch den Anspruch, einen Bildungsauftrag zu erfüllen oder sonst einen Mehrwert für eure Hörer*innen zu liefern?

Robert Steiner: In erster Linie geht es um die Unterhaltung. Aber als wir in der Pandemie mit der täglichen Sendung begonnen haben, war der ursprüngliche Gedanke ein Verbinden von Großeltern und Kindern, die damals ja nicht zueinander durften. Ich glaube, im weitesten Sinne schaffen wir das bis heute, weil die Sendung so ziemlich alle Zielgruppen hören. Man kann natürlich durch die Quizfragen und Spiele auch etwas lernen. Ich würde es „Edutainment“ nennen, aber der Spaß steht in jedem Fall im Vordergrund. Dann funktioniert es auch besser.

Wie schwierig ist es, lustig und trotzdem kindgerecht zu sein?

Rolf Rüdiger: Es ist nicht ganz easy. Ich bin mir schon bewusst, dass es jeden Tag live ein Drahtseilakt ist. Weil es braucht nicht viel, dass irgendjemand sagt: „So, das war’s jetzt.“ Weil man aus Jux und Tollerei irgendwas Falsches gesagt hat. Ansonsten sind wir unglaublich dankbar, dass wir von den Chefitäten eine lange Leine haben. Weil wir eben keine Redaktion haben, die Angst haben könnte, dass sich irgendwer aufregt. Das ist für den ORF eher ungewöhnlich.

Robert Steiner: Ich habe das Gefühl, dass das insgesamt durch den Rolf Rüdiger gelockert wurde, weil er viel aufgebrochen hat. Ich glaube, am Anfang haben sie sich mehr geschreckt. Aber wir haben natürlich auch dazugelernt, was sich ausgeht und was nicht. Und ich glaube, die Hörer*innen haben sich ebenfalls an uns gewöhnt, indem sie nicht mehr alles so ernst nehmen.

Rolf Rüdiger: Am Anfang gab es sicher Leute, denen wir gehörig auf die Nerven gegangen sind. Da gab es dann schon Briefe, die ich persönlich gekriegt habe, wo drinnen gestanden ist: „Suchen Sie sich doch einen anderen Job!“

Robert Steiner: Aber umgekehrt bekommen wir so viel positives Feedback und so viele liebe Worte.

Stefan Gaugusch: Das macht schon demütig. Weil über eine ORF-Sendung – wurscht, welche – wird ja sonst in erster Linie geschimpft. Aber ich glaube, das ist heute eine Grundhaltung: Wenn man essen geht, regt man sich eher auf, dass es nicht geschmeckt hat, als dass man lobend erwähnt, dass es gut war.

Ich finde es faszinierend, dass auch in Zeiten von ChatGPT das Konzept so gut funktioniert, dass Kinder am Sonntagvormittag einem Mann und einer Ratte Fragen stellen, die dann in schlauen Büchern eine Antwort suchen.

Rolf Rüdiger: Manchmal fragen wir schon, ob wir auch das Internet benutzen dürfen.

Robert Steiner: Ich finde die Kinder spannend, die sich da wirklich reinknien und Sachen raussuchen, wo uns nicht einmal ChatGPT helfen würde.

Rolf Rüdiger: Witzigerweise kommen die meisten Fragen der Kinder aus Büchern.

Robert Steiner: Manchmal kriegen wir natürlich auch Fragen gestellt, wo wir die Antwort sowieso kennen. Diese Fragen überlasse ich meistens dem Rolf Rüdiger, weil ich weiß, dass er dann was Lustiges daherblödelt.

Rolf Rüdiger: Meistens suche ich die Antwort erst gar nicht. Am Sonntag in der Früh bin ich sowieso schon mit Atmen beschäftigt genug.

Deine falschen Antworten sind ja sowieso unterhaltsamer als die richtigen.

Rolf Rüdiger: Aber manchmal passiert es auch, dass die Antwort dann versehentlich richtig ist. Wir haben da zwei unterschiedliche Zugänge: Der Robert nimmt das sehr ernst. Also ich auch, aber ich muss nicht gewinnen.

Es erinnert ein bisschen an die alten Doppelconférencen im Simpl, mit einem Gescheiten und einem Blöden.

Rolf Rüdiger: Meistens war der Blöde der Gescheite, und …

Robert Steiner: Ich sag jetzt nix dazu. (Lacht wieder.) Ich hab jedenfalls ein bisserl das Anliegen, es in aller Kürze radiogerecht so zusammenzufassen, dass alle einen Aha-Moment haben. Ich will nicht unbedingt Punkte machen, aber ich will auch nicht so tun, als wären wir beide nur blöd.

Rolf Rüdiger: Aber verlieren willst du auch nicht.

Robert Steiner: Doch, doch. Aber ich fände es komisch, wenn uns ein Zehnjähriger eine leichte Frage stellt und wir die dann nicht beantworten können.

Rolf Rüdiger: Ich finde es aber auch nicht sympathisch, wenn du jede Frage richtig beantwortest.

Eure Einstellung ist also, ehrlich zu gewinnen und ehrlich zu verlieren.

Robert Steiner: Genau. Und ich weiß, der Rolf Rüdiger würde öfter gern verlieren, weil es ihm wurscht ist …

Rolf Rüdiger: Nein, nicht, weil es mir wurscht ist, sondern weil es mir den Kindern gegenüber unangenehm ist. Aber man muss dazusagen: Sie kriegen ja in jedem Fall einen Preis.

Wir führen hier jetzt ein halbspaßiges Interview mit einem Plüschtier. Aber ich könnte mir vorstellen, dass so eine Figur doch auch ein bisschen ein Eigenleben entwickelt. Robert, machst du von der Herangehensweise her die Sendungen mit Stefan Gaugusch oder mit Rolf Rüdiger?

Robert Steiner: Da habe ich eine ganz klare Antwort: Während die Musik läuft und wir nicht hörbar sind, mache ich sie mit dem Stefan. Und ab dem Zeitpunkt, wo das rote Licht leuchtet, ist es nur noch der Rolf Rüdiger. Ich glaube, es ist mir in 21 Jahren noch nie passiert, dass ich on air versehentlich Stefan zu ihm gesagt habe.

Seid ihr euch beim Humor immer einig?

Rolf Rüdiger: Wir haben zwar ganz unterschiedliche Leben, aber auf der Gefühlsebene passen wir gut zusammen.

Robert Steiner: Ich glaube, wir haben beide ein sehr gutes Timing, das ist das Allerwichtigste. Und wir verstehen, wie wir uns gegenseitig die Sachen servieren.

Rolf Rüdiger: Gerade am Sonntag in der Früh kann es schon einmal so sein, dass einer schwächelt. Und manchmal ist man schon erschöpft, bevor es überhaupt losgeht. Da ist es dann schon super zu zweit, weil immer derjenige, der gerade mehr Energie hat, den anderen mitzieht. Aber es ist auch ein Faktor, dass wir es als unsere eigene Sendung sehen. Wir machen die nicht für andere, sondern für uns.

Das heißt, ihr wollt auch selber Spaß haben.

Rolf Rüdiger: Ja, und wir haben es auch. Also der Robert sowieso, der lacht eh die ganze Zeit. (Robert Steiner lacht schon wieder.)

Stefan Gaugusch: Und ich bin draufgekommen, dass Rolf Rüdiger eher die Sorte von komischer Figur ist, wie es etwa Louis de Funès war. Der ist ja nur grantig herumgerannt und war hysterisch, aber eigentlich nicht lustig.

Robert Steiner: Aber ein bisschen bist du auch der grantelnde Wiener.

Rolf Rüdiger: Ja eh.

Hat sich Rolf Rüdiger in den vergangenen drei Jahrzehnten verändert?

Stefan Gaugusch: Ja, sprachlich zum Beispiel. Er war schon einmal derber. Und früher war es mehr Umgangssprache. Das ist beim Radio ein bisschen anders geworden. Der ehemalige ORF-Unterhaltungschef Edgar Böhm hat einmal gesagt …

Robert Steiner: Das war das schönste Zitat von allen: „A Pupp’n im Radio – wer macht denn sowas?“

Stefan Gaugusch: Aber wie es scheint, funktioniert es.

Was ist eigentlich euer Lieblingsspiel?

Stefan Gaugusch: Meine persönliche Lieblingsnummer hat eigentlich gar nichts mit Rolf Rüdiger zu tun. Das ist unsere Parodie auf Edith Klinger und „Wer will mich?“, die wir irgendwann eingeführt haben. Der Einstieg beruht auf einer Begebenheit, wo sie im hohen Alter in „Willkommen Österreich“ eingeladen war und zwei echt furchtbare Katzen mithatte, die gezwickt und gebissen haben und sie hat die Nerven weggeschmissen und nach dem Besitzer gerufen.

Rolf Rüdiger: Dieses Spiel ist uns echt passiert, indem der Robert gesagt hat: „Rufen Sie uns an!“ Und ich habe das berühmte „Bitte, bitte!“ dazugesagt. Und ich weiß nicht, wer die Sendung damals gefahren hat, aber ich habe spaßhalber gefragt, ob wir „Peter und der Wolf“ haben (die Signation von „Wer will mich?“, Anm.) – und schwupp, ist es gelaufen.

Stefan Gaugusch: Das ist das Geile am Radio, dass man da viel schneller agieren kann als beim Fernsehen. Aber es kann natürlich auch immer etwas passieren. Es wundert mich ja, dass wir nicht mehr Hoppalas haben.

Robert Steiner: Wenn was passiert, habe ich jedenfalls die perfekte Ausrede: Weil dann war es immer der Rolf Rüdiger. Aber zurück zu den Spielen. Mein persönliches Anliegen ist definitiv der Klug-Gneisser, weil ich da jeden Tag irgendwelche Wiener Spezialitäten raussuche und zu vermitteln versuche. Das ist auch etwas, was ich nicht mit ChatGPT machen kann, sondern da muss ich viel draußen recherchieren.

Rolf Rüdiger: Manchmal habe ich ja die Befürchtung, dass wir den Leuten mit unseren täglichen Spielen auf die Nerven gehen. Aber vielleicht liegt das daran, dass es uns geht wie einer Billa-Kassiererin, die den ganzen Tag dieselbe Endlosschleife hört. Das ist bei unseren Hörern und Hörerinnen offensichtlich nicht so.

Eure Stimmen kennen jedenfalls sehr viele Menschen. Das Gesicht ist aber eigentlich nur bei Robert bekannt. Wie geht es dir mit den Fans? Hängt im Supermarkt eine Traube von Kindern an dir? Oder die Mütter der Kinder?

Rolf Rüdiger: Oder die Großmütter?

Robert Steiner: Charmant, danke. (Lacht.) Das hat sich geändert: Früher waren es mehr die Mamas mit den Kindern. Wenn du im Kinderprogramm arbeitest, bist du natürlich vor allem bei einer gewissen Zielgruppe bekannt. Dazu gibt es eine lustige Geschichte: Ich war einmal in einem Einkaufszentrum auf der Toilette, als ein Bub mit seinem Papa hereingekommen ist und mich mit „Grüß dich, Robert!“ gegrüßt hat. Und sein Vater hat ganz böse gefragt: „Wer war das? Der Freund von der Mama?!“

Stefan Gaugusch: Und was hast du gesagt?

Robert Steiner: „Ja.“ Da merkst du halt, dass Väter eher wenig Kinderprogramm schauen. Aber das hat sich mit „Die 2 um 2“ komplett geändert. Wir haben jetzt neben den Kindern auch eine Zielgruppe, die 40/ 50+ ist. Und egal, wo ich einkaufen gehe, es fragen mich immer alle: „Wo ist denn der Rolf Rüdiger?“

Stefan, deine Stimme kennen viele, dein Gesicht nicht. Bist du neidisch oder froh darüber?

Stefan Gaugusch: Es ist mir lange Zeit gelungen, anonym zu bleiben. Ich fand es irgendwie ganz lustig, wenn die Leute nach einer Show versucht haben, einen Blick auf die Person zu erhaschen, die gerade eben den Rolf Rüdiger gesprochen hat. Ich habe ja die Möglichkeit, mich zu outen. Wenn ich höre, dass nachher jemand besonders positiv über die Figur spricht, könnte ich sagen, dass ich das bin. Aber als Puppenspieler ist man sowieso gewohnt, im Hintergrund zu bleiben. Vor allem kann ich in der Figur die Sau rauslassen und sie danach einfach abstreifen. Das ist schon super. Der Robert kann das nicht.

Robert Steiner: Wer sich dafür interessiert, kann ihn ja googeln und findet im Internet all das Großartige, was der Stefan schon alles gemacht hat: Kasperl & Co, Quaxi, den ganzen Confetti-Zirkus – das ist ja österreichische Kinderfernsehtradition.

Stefan Gaugusch: Und ja, meine Stimme wird erkannt. Wenn ich abseits unserer Sendung im Puppentheater spiele, werde ich nachher oft gefragt: „Sie sind der Rolf Rüdiger, gell?“

Robert Steiner: Fragen dich eigentlich auch die Leute: „Wo ist der Robert Steiner?“

Stefan Gaugusch: Nie.

Robert Steiner: Das sollte mir zu denken geben.

Rolf Rüdiger, was wäre schlimmer: ein Leben ohne Cremeschnitten oder keine Sendung mehr mit Robert Steiner?

Robert Steiner: Oje. (Lacht.)

Rolf Rüdiger: (Grübelt.) Ich bin jetzt ein netter Kollege und sage: keine Sendung mehr mit Robert Steiner. Wem würde ich sonst auf den Nerv gehen? (Robert Steiner lacht.) Das passt schon so. Ich hatte schon verschiedene Kolleginnen und Kollegen, da waren schon manche Vögel dabei. Schwierig sind wir beide, aber das liegt vielleicht auch daran, dass wir nach 21 Jahren immer noch nicht herausgefunden haben, wer der Chef ist. Einbilden tut es sich jeder von uns. Somit funktioniert es eigentlich ganz gut. Also, am wenigsten ist die Programmchefin die Chefin. (Beide lachen.) Aber wir erwähnen sie immer wieder, weil das freut sie. Dann wissen die anderen, dass es sie gibt.

Apropos Chef: Welche Wünsche habt ihr an den nächsten ORF-Generaldirektor?

Robert Steiner: Ich glaube, er hat überhaupt keine leichte Aufgabe. Man hört nur von Kürzungen, die Leute sind sauer wegen der Haushaltsabgabe, das Image wurde durch die vergangene Geschäftsführung zerstört. Ich weiß nicht, ob man das noch irgendwie retten kann.

Rolf Rüdiger: Ich bin schon gespannt auf die neuen Dickpics. (Robert Steiner lacht.) Das war jetzt gelogen. Aber ich hätte eine Idee für ein neues Spiel: Dalli-Click-Dickpic. Haha. Das geht aber nicht im Radio, weil man nichts sieht.

Robert Steiner: Eines möchte ich aber schon sagen: Ich bin extrem stolz, dass wir so lange beim ORF sind, weil der als einziger österreichischer Fernsehsender überhaupt ein Kinderprogramm hat.

Stefan Gaugusch: Wobei wir ja nicht beim ORF angestellt sind. Wir sind beide eine Firma, die eine Rechnung schreibt. Und wenn wir krank darniederliegen, dann schreiben wir keine Rechnung. Amen.

Robert Steiner: Und man könnte jederzeit den Vertrag mit uns kündigen.

Cremeschnitten, Schneekugeln, gibt es schon ein Thema für einen dritten Kinderkrimi mit Rolf Rüdiger?

Rolf Rüdiger: Als Nächstes kommen die Hämorrhoiden …

Robert Steiner: Das heißt Memoiren …

Rolf Rüdiger: … mit den ganzen ORF-Geschichten, die wir kennen.

Robert Steiner: Im Ernst, es war ein tolles erstes Buch, das unser lieber Kollege Peter Tichatschek geschrieben hat. Beim zweiten Buch hat dann schon der Verlag mehr mitgeredet. Und immer, wenn mehr Leute mitreden, wird es schwierig.

Stefan Gaugusch: Vielleicht habe auch ich zu wenig mitgeredet. Aber Rolf Rüdiger und Buch, das ist generell ein bisschen schwierig, weil er sich irgendwie durch Spontanität bemerkbar macht und dafür ist ein Buch nicht das geeignetste Medium. Ich kann mir auch schwer Louis de Funès oder Jerry Lewis in einem Buch vorstellen.

Rolf Rüdiger ist seit 1994 an der Seite von Confetti aus dem österreichischen Kinderfernsehen bekannt und seit 2005 gemeinsam mit Robert Steiner auf Radio Wien zu hören. Gespielt und gesprochen wird die grantelnde Ratte vom Puppenspieler und Sprecher Stefan Gaugusch.

Rolf Rüdiger & Robert Steiner

Seit 1999 wird der Österreichische Kabarettpreis vergeben. Von den heurigen Gewinnern und Gewinnerinnen stehen vier bereits fest: Severin Groebner (Hauptpreis für sein Programm „Ich bin das Volk“), Chrissi Buchmasser (Förderpreis für „Zugzwang“), David Scheid (Programmpreis für „The Kabarettist“) und das Radio-Duo Robert Steiner & Rolf Rüdiger (gespielt von Stefan Gaugusch). Die Publikumspreise werden bis zur Verleihungsgala am 13. Oktober im Globe Wien online via Abstimmung auf www.kabarettpreis.at gekürt.

Österreichischer Kabarettpreis

Portrait Redakteur Mathias Ziegler
Mathias Ziegler
ist seit seiner Jugend Stammgast im Kabarett. Der versierte Redakteur und Podcast-Host baute bei der Wiener Zeitung die Kabarettberichterstattung mit auf und ist der Szene stark verbunden geblieben.

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