Treffen sich ein Kabarettist und eine Jazzsängerin … Nein, so beginnt kein schlechter Witz, sondern eine musikalische Symbiose, die vor fünf Jahren begonnen hat und nun durch ein gemeinsames Album gekrönt wird. Viktor Gernot und Simone Kopmajer haben soeben „You Wonderful You“ präsentiert und der Titel ist Programm. Denn so wertschätzend, wie die beiden übereinander sprechen, wenn man sie nach der Entstehungsgeschichte ihres von Duetten geprägten Musikprojekts fragt, und so harmonisch, wie sie auf der Bühne miteinander interagieren, wird rasch klar: Hier haben sich zwei gefunden. Rein musikalisch natürlich.
Seine Liebe gehört der Musik
15 Klassiker aus dem „Great American Songbook“ haben sich die Jazzsängerin und der – nein, eigentlich sollte man Viktor Gernot in diesem Zusammenhang nicht als Kabarettisten bezeichnen – herausgepickt. Klar, er ist mit seinen satirischen Bühnenauftritten – insbesondere an der Seite von Michael Niavarani – erfolgreicher als mit seinen musikalischen. Aber der 61-Jährige war immer schon Musiker.
Schon zu Schulzeiten (damals noch als Gernot Jedlička) lernte Gernot Gitarre spielen und hatte neben seinem Einsatz im Schwimm-Juniorennationalteam Gesangsunterricht. Nach der Matura holte er sich am Konservatorium der Stadt Wien ein Diplom im Studienfach Musical, Operette und Chanson, während er unter anderem Bassist und Background-Sänger bei Roy Black, Karel Gott, Chris Roberts oder Nicole war. Seine Karriere als Kabarettist begann erst später. Und ob Hektiker, Kabarett Simpl oder Soloprogramme – stets waren da auch musikalische Auftritte.
Eine Jazzsängerin mit Weltkarriere
Während Viktor Gernot weltberühmt in Österreich geworden ist, wie es so schön heißt, war es bei Simone Kopmajer genau andersherum. 1981 in Schladming geboren und schon als Jugendliche in der Jazzband ihres Vaters in Bad Aussee großgeworden, ging sie nach ihrem Studium an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz mit dem New-York-Stipendium des Hans-Koller-Preises im Gepäck in die USA, wo sie mit 21 Jahren ihre erste Platte aufnahm.
Aber das war erst der Anfang, denn ihre Karriere als Jazzsängerin führte sie bis nach Japan, wo sie ein halbes Dutzend Alben produzierte und zuletzt mit „Hope“ auf Platz eins der Jazz Charts landete. In Thailand war sie der Haupt-Act beim Chiang Mai Jazz Festival. Die dreifache Mutter, deren Tourneen sie durch Nordamerika, Südostasien, Australien und Europa geführt haben, hat mit Kapazundern wie Todd Barkan, George Mraz, Houston Person und Aaron Heick zusammengearbeitet. Und womöglich ist sie international bekannter als in ihrer Heimat Österreich.
Stimmwunder
Wie haben nun diese beiden Künstler*innenseelen zusammengefunden? Diese Geschichte erzählt Viktor Gernot nur zu gerne und kommt dabei regelrecht ins Schwärmen: Da war diese Stimme in einer Bar, „die so international geklungen hat“ und die er trotz seiner musikalischen Erfahrung nicht kannte. Der Barkeeper klärte ihn auf, dass es sich um eine Landsfrau handle, die vor allem in Übersee unterwegs sei. Um den Musikfan Viktor war’s geschehen. Er sammelte Simones CDs beziehungsweise Downloads. „Ich war von der ersten Minute an ein Verehrer“, weil die Jazzsängerin „eine Kennerin und eine Könnerin ist“, streut ihr Viktor Gernot Rosen. „Simone agiert mit vollendetem Geschmack. Ganz egoistisch: Ich genieße es, mit ihr aufzunehmen und mit ihr auf der Bühne zu sein, weil ich ihr unglaublich gerne zuhöre.“
Das durfte er dann zum ersten Mal live, als beide zu einem Radiointerview bei Marianne Mendt eingeladen waren und jeweils einen Song von sich vorspielen durften. „Als ich Gernot gehört habe, habe ich mir gedacht: Wow, eine tolle Stimme“, erzählt Simone Kopmajer. „Und als ich dann ein Weihnachtsalbum gemacht habe, habe ich beschlossen, dass ich den Gernot unbedingt brauche. Weil unsere Stimmen perfekt harmonieren. Das ist ein unglaublich tolles Arbeiten und wunderschön.“
Und Viktor Gernot, der also vom Fanboy zum Bühnenpartner wurde, ergänzt mit einem Seitenblick zu seiner Duettpartnerin: „Ich brauche eine musikalische Chefin und begebe mich dankbar in deine Leadership.“ Und die Chefin weiß ihren Mitarbeiter sehr zu schätzen: „Man kann mit ihm musikalisch alles machen, weil er sich auf alles einlässt, ist irrsinnig spontan auf der Bühne. Deshalb weiß ich: Sobald er mit auf der Bühne ist, wird das mega.“
Vier hochkarätige Begleitmusiker
Im Jahr 2021 hatten die beiden also ihre ersten gemeinsamen Auftritte, und zu den Konzerten, die das Album begleiten, haben sie sich nun auch noch vier hochkarätige Begleitmusiker dazugeholt: Thomas Kugi (Saxophon), Karl Sayer (Kontrabass), Reinhardt Winkler (Drums) und Paul Urbanek (Piano), der auch als Co-Producer fungiert.
Während die bei den „You Wonderful You“-Konzerten groß aufspielen, hält sich einer im Hintergrund: der Kabarettist Viktor Gernot. Dieser ist zwar immer dabei, „weil der Humor immer ein Teil meines Wirkens ist“, erklärt der Musiker Viktor Gernot mit einem Schmunzeln, „aber das gemeinsame Musizieren meine ich sehr ernst.“ Tatsächlich sind unter den 15 Liedern, die das Duo für sein Album und die zugehörigen Konzerte ausgesucht hat, eigentlich keine satirischen oder ironischen Texte. Aber natürlich: „Wenn wir zwischen den Nummern plauschen, kann es durchaus passieren, dass es freiwillig lustig wird.“
Ein bisschen mag es ihm wehtun, dass der Kabarettist Viktor Gernot finanziell und von der Massenwirkung her erfolgreicher ist als der Musiker Viktor Gernot, wo ihm doch gerade die Musik so am Herzen liegt. Umso mehr freut es ihn, dass er sich mit dem Album und der Konzertreihe dazu einen Wunsch erfüllen kann. Und er stellt auch klar: „Je älter ich werde, desto wurschter ist es mir, ob jemand sagt: ‚Ah, ich hab gar nicht gewusst, dass sie auch singen.‘“
Hier gibt’s keine KI, sondern Musik, die atmet.
„Ich bete zu Frank Sinatra“
Die Plattenaufnahme (das Album gibt es auch auf Vinyl) war übrigens eine sehr kurze Geschichte: „Wir waren alle sechs einen Tag im Studio, danach hatten wir das meiste zusammen“, erzählt Simone Kopmajer. Dann brauchte es nur noch den einen oder anderen Tag für Nacharbeiten. Für Viktor Gernot ist das Album auch „ein kleines Manifest gegen den Zeitgeist. Wir sind sehr analog und handgemacht orientiert. Wir stellen uns zusammen, Reini zählt ein, und dann spielen wir’s. Hier gibt’s keine KI, sondern Musik, die atmet.“
Mit ihrem Album treten sie teils in sehr große Fußstapfen: Den Titelsong „You Wonderful You“ haben zum Beispiel Gene Kelly und Judy Garland in den 1950ern gesungen; die Nummer „Straighten Up and Fly Right“ kennt man von Komponist Nat King Cole selbst, aber auch von Sammy Davis Jr.; „Tea for Two“ hatte berühmte Interpret*innen von Doris Day über Frank Sinatra bis Duke Ellington. Und das gilt auch für die anderen zwölf Lieder auf dem Album.
Wie geht man mit diesem großen Erbe um? Möglichst entspannt, meint Viktor Gernot. „Manchmal denke ich überhaupt nicht an die Interpret*innen, sondern nehme den Song als Song wahr, weil ich meistens zwanzig Versionen davon kenne. Und dann bin ich gar nicht so in Gedanken, ob ich eine Doublette schlage.“ Nur einem versucht er manchmal von Klang und Tongestaltung her nahezukommen: „Ich habe einen Gott. Und wenn ich bete, dann bete ich zu Frank Sinatra“, sagt er mit einem Schmunzeln.
„Learning by Doing und Learning by Failing“
Auch der ausgebildete Sänger lernt musikalisch immer noch dazu: „Wir haben hier großartige Jazzmusiker*innen dabei. Wenn man da etwas anbietet, und man sieht, dass drei von ihnen ein bisserl das Gesicht einschläft dabei oder sogar die Augen zu rollen beginnen, dann denkt man sich: ‚Das singe ich vielleicht beim nächsten Mal nimmer.‘ Es ist Learning by Doing und Learning by Failing“, erzählt Viktor Gernot über das Erarbeiten der Nummern.
Aber, betont Simone Kopmajer, „wir empfinden die Art von Musik gleich, den Swing, und das Phrasing ist so gleich, als hätten wir dieselben Platten gehört.“ Die Chemie stimmt eindeutig zwischen den beiden. „Ich brauche gar nicht hinzuschauen und spüre trotzdem, wann Gernot zu singen beginnt. Da kann ich mich komplett fallen lassen. Das hat man selten im Leben, dass man jemanden trifft, wo es musikalisch so perfekt passt.“
Viktor Gernot ist ein österreichischer Kabarettist, Sänger und Schauspieler, der seit Jahrzehnten zu den bekanntesten Unterhaltungskünstler*innen des Landes zählt.
Simone Kopmajer ist eine österreichische Jazzsängerin aus der Steiermark, die mit internationalen Konzerttourneen und Erfolgen vor allem in Japan und Südostasien weltweit Karriere gemacht hat.
Ihr gemeinsames Album „You Wonderful You“ ist als CD und LP sowie im Streaming erhältlich. Live zu erleben sind Kopmajer und Gernot am 21. Mai im forumKLOSTER in Gleisdorf, am 22. Mai bei den Taggenbrunner Festspielen, am 19. Juli auf Burg Perchtoldsdorf, am 28. Juli auf den Kasematten in Graz und am 28. August in der Pfarrkirche St. Othmar in Mödling.


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