Geht ein Mann aus der Ordination und überlegt: „Shrimps? Langusten? Hummer?“ – „Krebs!“, ruft ihm der Arzt nach.
Man mag es als Altherrenwitz abtun. Man kann aber auch viel hineinlesen in diese Miniszene, die der Kabarettist Andreas Vitásek beim „Männerabend“ im Wiener Globe erzählt hat. Zum Beispiel das oft schwierige Verhältnis von Männern zu unangenehmen medizinischen Diagnosen – das leider zu viele Männer von Vorsorgeuntersuchungen abhält. Könnte ja was Unangenehmes dabei rauskommen.
Genau das soll der „Männerabend“, der am 6. November um 20.15 Uhr in ORF 1 – also im Hauptabendprogramm – ausgestrahlt wird, ändern. Und zwar mit Humor, denn der erreicht selbst jene Männer, die Vitásek meint, wenn er augenzwinkernd feststellt: „In meinem Alter ist man nicht gesund. Man ist nur schlecht untersucht.“
„Alles, was gesund ist, stärken“
Ein Satz, den der Host des Abends so nicht ganz unterschreiben möchte. „Es kommt auf die Perspektive an“, sagt Omar Sarsam, der im Globe die lustigste Arztpraxis Österreichs (mit echtem Onkel Doktor – er ist ein erfahrener Kinderchirurg) eröffnet hat. „Du kannst in jedem Alter ein bisschen Krankheit finden. Du kannst aber auch in jedem Alter ein bisschen Gesundheit finden. Solange wir am Leben sind, egal in welchem Alter, müssen wir alles, was gesund ist, stärken.“ Deshalb ist Prävention so wichtig. Denn, so Vitásek nun ganz ernsthaft: „Je älter man wird, desto mehr wird einem bewusst, dass der Körper eine gewisse Endlichkeit hat. Und da sollte man immer besser auf ihn schauen.“
Es sind drei Dinge, die der Mediziner Sarsam und seine Bühnenpatienten – neben Vitásek sind das Gerald Fleischhacker, Christoph Fritz, Gernot Kulis und Felix Schobesberger alias Blonder Engel – gemeinsam haben: Alle sechs sind Kabarettisten, jeder von ihnen hat einen Sketch zum Thema Männergesundheit mitgebracht, und keiner von ihnen schwänzt die empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen.
Mit Freunden zum Urologen
Während Sarsam damit schon mit 21 Jahren begonnen hat – „Wenn du Medizin studierst, möchtest du ja wissen, wie es in deinem Körper ausschaut“ –, ist bei Fleischhacker ein Jour fixe mit Event-Charakter daraus geworden: „Wir gehen als Männerrunde gemeinsam zum Urologen und danach schön zu Mittag essen.“ Der Gastgeber der ORF-„Tafelrunde“ ist bei der Mixed-Show zur Männergesundheit dabei, „weil es wichtig ist, dass die Männer den Arsch hochkriegen und zur Vorsorgeuntersuchung gehen. Wenn wir nur zehn Leute dazu motivieren können, dann hat dieser Abend abgesehen von der guten Unterhaltung einen Sinn gehabt.“
Bezeichnenderweise hat Prostatakrebs Brustkrebs bei den Erkrankungs- und Todesfällen überholt. „Das ist kein schöner Rekord“, sagt Fleischhacker. „Die häufigste Krebsart in Österreich ist Prostatakrebs, was total deppat ist, weil er leicht zu entdecken ist und langsam wächst – da kann man echt was tun. Nur spürt man ihn halt nicht, das muss man halt echt regelmäßig anschauen lassen.“ Zum Beispiel bei der Langen Nacht der Urologie am 9. November von 17 bis 21 Uhr in allen teilnehmenden Ordinationen, auf die Fleischhacker explizit hinweist.
Endlich einmal Kollegen treffen
Für die Kabarettisten, die sonst in ihren regulären Soloprogrammen alleine auf der Bühne stehen und in der Garderobe sitzen, ist der „Männerabend“ zu sechst eine willkommene Abwechslung. „Es ist eine gute Möglichkeit, einmal Kollegen zu treffen“, findet Vitásek. „Man sagt zwar immer, man schaut sich die anderen an, aber man hat eigentlich nie Zeit dafür.“ Und so sitzt der 70-jährige Doyen des österreichischen Kabaretts, der gerade sein 45-jähriges Bühnenjubiläum mit einem Best-of zelebriert, im Backstage-Bereich neben dem nicht einmal halb so alten Christoph Fritz, der gerade an seinem dritten Programm schreibt. Der zweifache Gewinner des Österreichischen Kabarettpreises (Förderpreis und Programmpreis) ist der Jüngste in der Männerrunde. Schon in seinem Alter ist ihm die Vorsorge wichtig: „Mich regelmäßig durchchecken zu lassen, gibt mir ein gutes Gefühl.“
Inhaltlich bringt der 32-Jährige sicher eine etwas andere Perspektive ein als seine älteren Kollegen. Umgekehrt hat Altmeister Vitásek wichtige Ratschläge für die Jüngeren parat. Zum Beispiel, dass man auch als Freiberufler auf die eigene Gesundheit schauen muss und nicht den Fehler machen sollte, krank auf die Bühne zu gehen: „Das habe ich einmal gemacht und eine relativ hohe Rechnung dafür zahlen müssen. Also lieber absagen, wenn man sich nicht gut fühlt.“
Nicht anlassbezogen zum Arzt
Gesundheitstipps hat natürlich auch Doktor Sarsam im Arztkoffer. Stellt sich die Frage: Leben Ärzte tendenziell gesünder, weil sie es ja besser wissen? „Zumindest bei mir“, meint er, „ist das Risiko eher, dass man aus dem altruistischen und auch befriedigenden Hang zum Helfen heraus ein bisschen auf sich selbst vergisst.“ So hatte er mindestens sechs Bandscheibenvorfälle, „danach habe ich mit dem Zählen aufgehört“. Dem Rückenleiden hat der Blonde Engel eine Nummer gewidmet, die er beim „Männerabend“ spielt. Außerdem geht es in seinem Teil um Hypochondrie. Hier erkennt sich Kulis wieder: „Ich glaube, ich gehe eher zu viel zum Arzt als zu wenig. Und meistens ist eh nix.“ Aber besser so als andersherum. Denn seiner Meinung nach agieren zu viele Menschen bei der Gesundheit zu anlassbezogen „wie beim Schuhkauf. Man geht dann ins Geschäft, wenn man neue braucht. Aber wenn man erst zum Arzt geht, wenn’s wehtut, ist es halt oft zu spät.“
Gerade noch rechtzeitig wurde der Krebs beim Blonden Engel vor zehn Jahren entdeckt. „Da ist die Vorsorgeuntersuchung aus der Nachsorge heraus entstanden.“ Sein Appell an alle lautet: „Geht’s zum Arzt und schaut’s euch Sachen lieber zu früh an als zu spät. In der Früherkennung kann man den einen oder anderen groben Schaden vielleicht nicht mehr verhindern, aber zumindest minimieren.“ Und ganz ehrlich: Schlimmer als eine Mammografie oder ein Abstrich am Gebärmutterhals ist der kurze Druck auf die Prostata sicher nicht. Zumal das berüchtigte Fingerbohren ins Popoloch bei vielen Urologen gar nicht mehr Usus ist. „PSA-Test und Ultraschall reichen mittlerweile“, betont Fleischhacker.
Geht’s zum Arzt und schaut’s euch Sachen lieber zu früh an als zu spät. In der Früherkennung kann man den einen oder anderen groben Schaden vielleicht nicht mehr verhindern, aber zumindest minimieren.
Neue Wunderwaffe gegen Prostatakarzinome
Genau dieser PSA-Bluttest, der die Menge an prostataspezifischem Antigen (daher die Abkürzung) bestimmt, hat dafür gesorgt, dass Sarsam nach einem Anruf aus dem Wiener AKH „das ganze Programm drei Tage vor der Aufzeichnung noch einmal umgeschmissen“ hat. Vom Chef der Urologie erfuhr er nämlich, dass es wahrscheinlich schon ab nächstem Jahr eine Neuerung geben soll: „Das PSA-initiierte, MRT-gestützte, risikospezifische Prostatakrebs-Screening soll dann flächendeckend eine Kassenleistung werden.“
Konkret wird zunächst der PSA-Test gemacht. Wenn der Blutwert eine gewisse Höhe erreicht, folgt ein MRT (ohne Kontrastmittel). Danach steht fest, ob das Risiko hoch genug ist, dass eine Biopsie gemacht werden sollte. „Das sind viele Stufen, die den Vorteil haben, dass es zu keiner Überdiagnose und keiner Übertherapie kommt“, erläutert ein hörbar begeisterter Sarsam. „Neun Fachrichtungen haben diesen Konsens gefunden, mit einer noch nie dagewesenen Einigkeit.“ Er ist überzeugt: „Das ist die neue Wunderwaffe gegen künftige hohe Zahlen an Prostata-Karzinomen. Und das Prozedere ist sogar billiger als jetzt, weil man sich viele unnötige Schritte ersparen kann.“
Kabarett-Durchsage in der Ordination
In einem so großartigen Gesundheitssystem wie dem österreichischen sollte man jedenfalls das Angebot der Vorsorgeuntersuchungen nutzen, findet der Blonde Engel. Dem stimmt Sarsam zu: „Natürlich gibt es immer Verbesserungsbedarf, aber im Vergleich zu vielen anderen und auch, wenn man es alleine betrachtet, ist unser Gesundheitssystem nach wie vor ein Juwel und funktioniert seit Jahrzehnten fantastisch – unter anderem auch deshalb, weil viele Menschen darin die Extrameile gehen und mehr leisten, als im Vertrag steht. Das ist aber eigentlich nicht in Ordnung, denn diese Leistungen sollten immer adäquat wertgeschätzt werden.“
Sein persönliches Highlight in ebendiesem Gesundheitssystem hat Kulis in einer Gemeinschaftspraxis erlebt. Dort durfte der langjährige Ö3-„Callboy“ einmal die Durchsagen machen. „Das ist bei den Patient*innen gut angekommen. Es klingt so abgedroschen, aber es ist tatsächlich wichtig, dass man auch einmal lachen kann. Humor und eine Stunde Bewegung im Freien pro Tag sind wichtige therapeutische Maßnahmen. Und nach so einem Abend wie dem heutigen geht es allen besser: mir und dem Publikum.“ Das Gleiche in anderen Worten betont auch Sarsam: „Bewegung ist die Universalpille gegen ganz, ganz, ganz viel. Und Lachen bewegt.“
Etwas bewegen wollen mit dem „Männerabend“ jedenfalls dessen Masterminds – die übrigens zwei Frauen sind. Julia Sobieszek, Agenturchefin und Organisatorin des Österreichischen Kabarettpreises, sowie Rebecca Truska, Bereichsleiterin für Kabarett und Comedy beim ORF, sind irgendwann in einem Plausch beiläufig draufgekommen, dass viele Kabarettisten Geschichten zur Männergesundheit im Programm haben. „Und eines dieser Themen ist die Prostata-Untersuchung“, erklärt Sobieszek. Weil die beiden nicht nur den Unterhaltungswert, sondern auch den öffentlichen Auftrag dahinter erkannten, haben Sobieszek und Truska gemeinsam die TV-Aufzeichnung geplant und umgesetzt. Das Engagement des Mediziners Sarsam als Moderator war dabei fast logisch. Und er wollte unbedingt mitmachen, „weil das für mich tatsächlich das Beste aus beiden Berufen – Arzt und Kabarettist – verbindet“.
Möglichst niederschwellige Botschaft
Auch wenn die Geschichten unter der Gürtellinie besonders lustig sind, geht es nicht nur um die Prostata, sondern „grundsätzlich um Gesundheit, da gehört ganz viel dazu“, sagt Truska. „Wir wollten die Botschaft, dass Männer öfter zum Arzt gehen sollen, möglichst niederschwellig vermitteln. Und zwar mit Humor und nicht mit negativen Zahlen oder so.“ Entsprechend viel Spaß hatten sie und Sobieszek nicht nur bei der TV-Aufzeichnung, sondern schon davor. „Selbst beim Aufbauen eines Roll-ups sind uns Zweideutigkeiten auf- und eingefallen“, erzählt Sobieszek. „Wir leben in der Pointe.“ Kein Wunder, wenn man von so hochkarätigen Humoristen umgeben ist.
Auffallend ist, dass dabei keine einzige Frau auf der Bühne steht (per Ferndiagnose wird neben Globe-Hausherr Michael Niavarani, Manuel Rubey, Simon Schwarz und Berni Wagner lediglich Magda Leeb als weibliche Stimme der Vernunft zugespielt). Dabei hätte doch ins Programm dieses Gesundheitsabends auch eine Sonja Pikart gut gepasst, die in ihrem neuen Solo „Stark“ ausführlich von ihrer überstandenen Krebserkrankung erzählt. Nun, auch Fleischhacker hat sich Gedanken über das weitgehende Fehlen von Frauen gemacht und eine Erklärung dafür gefunden: „Ich glaube, die Idee war, dass hier eben wir Männer auf der Bühne stehen und über Männergesundheit sprechen. Es geht um die Reflexion der Männer untereinander.“ Aber, ergänzt Kulis, „es sind sehr viele Damen im Publikum, die sich sehr freuen, wenn wir über unsere Männerthemen reden.“ Und die, so hofft Fleischhacker, „schicken dann ihre Männer zur Vorsorge“. Diese können sich beim Warten auf die Untersuchung den „Männerabend“ auf ORF On anschauen.
„Männerabend“ wird am 6. November 2026 ab 20.15 Uhr auf ORF 1 ausgestrahlt. Kabarettist und Mediziner Omar Sarsam leitet die Untersuchung und holt seine Kollegen dazu: Mit dabei sind unter anderem Andreas Vitásek, Christoph Fritz, Gernot Kulis, Blonder Engel und Gerald Fleischhacker.


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