Wie heißt es so schön: Jedem Ende wohnt ein Anfang inne. So geschehen in der Löblichgasse 5-7 in Wien. Dort hat Ende 2025 das Theater am Alsergrund nach genau 30 Jahren zugesperrt – und am 11. September 2026 sperrt dort jetzt das Löblich Theater neu auf. Verantwortlich dafür ist Martin Strecha-Derkics alias Martin Moped, die Hälfte des Kabarettduos Gebrüder Moped.
„Ich habe Ende des vorigen Sommers erfahren, dass das Theater am Alsergrund zusperren wird“, erzählt er im Gespräch mit funk tank. „Das hat in mir gearbeitet, weil wir Gebrüder Moped ja dort etliche Auftritte gehabt hatten und ich das Haus gut gekannt und geschätzt habe.“ Und je mehr es in ihm arbeitete, desto sicherer wurde sich Martin Moped, dass er diese Chance für einen Neubeginn nicht ungenutzt lassen wollte.
Ein Telefonat genügte
Aber ihm war ebenso klar, dass er das Projekt nicht alleine angehen konnte. Seine erste Wahl als Partner*in war nicht sein Spezl Franz Stanzl alias Franz Moped aka Franzalander, sondern Kabarettkollegin Birgit Radeschnig. Die gab ihm erst einen höflichen Korb und gleich danach den Kontakt von Christina Berzaczy. Nach einem einstündigen Gespräch der beiden stand fest: Zwei Menschen, die einander davor nicht gekannt hatten, wollten gemeinsam ein Theater eröffnen. Und so feiert diesen Freitag das Löblich sein erstes Aufsperrfest am Beginn der neuen Saison.
In den vergangenen Monaten haben Christina und Martin den Keller umgestaltet und zum Beispiel zwölf neue Fenster einbauen lassen, um Tageslicht hereinzubekommen. Außerdem wurde die Bar weiter nach vorne versetzt. „Und wir haben in jeden Raum eine sehr gemütliche Couch reingestellt“, erzählt Christina. Eines betonen die beiden: „Wir übernehmen nicht das Theater am Alsergrund. Wir eröffnen am selben Standort eine neue Bühne.“ Das ist auch den bisherigen Betreiber*innen Cornelia und Michael Auernigg wichtig, für die nun ein sehr emotionaler Lebensabschnitt abgeschlossen ist. Denn es ist nicht leicht, in Wien eine so kleine Bühne zu führen, und im Jahr 2009 zum Beispiel kam das Theater in finanzielle Bedrängnis, weil die Förderung der Stadt Wien nicht rechtzeitig überwiesen wurde. Auch privat war es keine leichte Zeit: Cornelias erster Mann Andreas Hutter, der die Bühne 1995 gegründet hatte, starb 2010. In der Folge führte seine Witwe das Haus alleine weiter, ehe sie hier ihren jetzigen Mann Michael kennen und lieben lernte.
Wir wollen insgesamt ein Refugium, ein Wohnzimmer werden für Leute, die im weiteren Sinne mit Kleinkunst zu tun haben.
Hier haben viele große Karrieren begonnen
Wer Parallelen zwischen dem alten Theater am Alsergrund und dem neuen Löblich sucht, wird allerdings vielfach fündig. Das beginnt schon bei der Namensgebung: Während das alte Theater nach dem 9. Bezirk benannt war, trägt der Nachfolger den Namen der Löblichgasse, in der auf Hausnummer 5-7 eine kleine Treppe in ein Kellerlokal führt, das 30 Jahre lang als Startrampe für junge Kabarettist*innen fungierte. Hausherr Andreas Hutter führte bereits 1996 den Nachwuchswettbewerb „Goldener Kleinkunstnagel“ ein, der bis 2017 jedes Jahr im November stattfand. Viele große Karrieren haben im Theater am Alsergrund begonnen. Roland Düringer hat hier ebenso gespielt wie das Duo BlöZinger, Thomas Stipsits oder Klaus Eckel.
Ja, das sind jetzt lauter Männernamen. Denn bis vor gar nicht allzu langer Zeit war die Kabarett- und Comedyszene in Österreich sehr maskulin. Das ändert sich zum Glück, denn immer mehr Frauen streben erfolgreich auf die Bühne. „Als wir den Eröffnungsabend geplant haben, mussten wir gar nicht darauf achten, dass in jedem Teil genug Frauen drankommen“, freut sich Christina. „Es war tatsächlich so, dass ich eher schauen musste, dass genügend Männer drankommen. Weil der Frauenanteil extrem hoch ist – ohne dass wir uns explizit darum gekümmert haben.“ Das findet sie „wahnsinnig schön“, weil es zeigt, „dass sich die Branche in die richtige Richtung entwickelt“. Und Martin fügt schmunzelnd hinzu: „Als Gebrüder Moped haben wir es schon gespürt, dass die Frauen gefragter werden als zwei alte Männer.“
Der Kleinkunstbegriff wird erweitert
Auch im neuen Löblich wird ein Schwerpunkt auf den Nachwuchs gelegt – und gleichzeitig der Begriff der Kleinkunst erweitert, „weil sich heute die Genres dermaßen überschneiden und einander befruchten“, wie Martin erklärt. Und so gibt es im Löblich neben klassischem Kabarett auch Musik in Form von Salonkonzerten und eine Literaturveranstaltung mit der Schriftstellerin und Buchhändlerin Petra Hartlieb. Deren erste Gäste sind Verlegerin Bettina Wagner und Kabarettist Dirk Stermann. „Das wird ein Mittelding aus Talkshow und ‚Dalli Dalli‘ mit intellektuellem Mehrwert“, meint Martin. Und jeden Montag gibt es Improtheater, auch mit internationalen Gästen. Zum Beispiel war bereits eine ungarische Truppe da. „Es gibt so viele Möglichkeiten, die wir gerne ausschöpfen möchten“, ergänzt Christina. „Auch Clownerie, Infotainment oder Live-Podcasts fallen im Grunde unter den Begriff der Kleinkunst. Nur mit Kabarett ist es in dieser Größenordnung wahnsinnig schwierig, die Bühne am Leben zu erhalten.“
Und je breiter das Angebot ist, desto diverser ist auch das Publikum, das man damit erreichen kann – und das man vielleicht auch für andere Genres erreichen als jenes, für das ursprünglich Karten im Löblich gekauft wurden. Deshalb gibt es hier auch vereinzelt einen „Vier-Uhr-Tee“ um 16 Uhr für jene, die ein Problem mit Abendvorstellungen haben, sei es wegen der Kinderbetreuung oder weil sie nicht mehr so spät unterwegs sein wollen.
Diverses Publikum abholen
Was den beiden auch wichtig ist: Sie wollen für einen hohen migrantischen Anteil sorgen, um auch diesen Teil der Bevölkerung abzuholen. Gerade diese Künstler*innen muss man allerdings oft suchen. Deshalb spricht Martin im Zuge des Gesprächs mit funk tank eine herzliche Einladung und Bitte an alle aus, sich auch aktiv beim Löblich zu melden: „Wir wollen insgesamt ein Refugium, ein Wohnzimmer werden für Leute, die im weiteren Sinne mit Kleinkunst zu tun haben.“ Und Christina ergänzt mit Blick auf die LGBTQ-Community, dass ihre Bühne „ein offener Ort für alle sein soll“. Hier ist gerade die Kleinkunst aber ohnehin schon weiter als viele andere Bereiche, wenn man sich die aktuellen Premieren von Künstler*innen anschaut.
Auch Gunkl tritt im Löblich auf
Dass es wichtig ist, die Lücke zu füllen, die durch die Schließung des Theaters am Alsergrund aufgerissen wurde, zeigen die vielen positiven Rückmeldungen aus der Szene. Und so wie schon zu Andreas Hutters Zeiten sind auch jetzt mehrere bekannte Künstler*innen an Bord, die das Werkl mit anschieben helfen. Selbst Gunkl, der an diesem Abend genauso gut den Stadtsaal oder das Globe füllen könnte, schaut am 1. Oktober im Löblich vorbei. Ein bisschen Erfahrung beim Programmieren hat Martin ja schon durch die Kabarettkoalition der Gebrüder Moped in Villach. Und Christina hat bereits das Spektakel programmiert und hatte ihr eigenes Theater Irrlicht. Wir dürfen gespannt sein, was sie in ihrem Theaterkeller noch alles auf die Kleinkunstbühne bringen.
Das Löblich Theater ist eine neue Kleinkunstbühne in der ehemaligen Spielstätte des Theaters am Alsergrund in Wien und eröffnet am 11. September.
Mit Kabarett, Musik, Literatur, Improtheater und weiteren Formaten soll das Theater ein offenes Wohnzimmer für Künstler*innen und Publikum werden.


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