Kabarett als verbindende Kraft, große Namen neben vielversprechenden Newcomern und der Anspruch, Kultur für alle leistbar zu halten – dafür steht die Ybbsiade seit Jahrzehnten. Seit Ende 2024 liegt die künstlerische Leitung des traditionsreichen Festivals in den Händen von Eva Zemanek, die bereits seit vielen Jahren hinter den Kulissen mitgestaltet hat.
Im funk tank-Gespräch erzählt sie von ihrem Weg an die Spitze, den Herausforderungen bei der Programmgestaltung, besonderen Begegnungen mit Künstler*innen und warum Humor gerade in unsicheren Zeiten unverzichtbar ist.
Eva Zemanek: Ich bin seit 2012 bei der Ybbsiade dabei. Damals hat mich Alexander Goebel als Unterstützung geholt. Das war im Herbst, und wir haben dann sehr schnell ein Programm für den folgenden April auf die Beine gestellt. Ab 2013 war ich dann voll im Einsatz. Nach zwei Jahren folgte auf Alexander Goebel Joesi Prokopetz als Intendant und ich habe die intensive Arbeit im Hintergrund weiterhin mit Begeisterung betrieben. 2022 hat Joesis Fünf-Jahres-Vertrag geendet und wurde nicht mehr verlängert. Wir waren dann drei Jahre lang ein Ybbsiade-Team: Bürgermeisterin Ulrike Schachner, Kulturstadtrat Peter Blessky und ich – bis ich im November 2024 im Gemeinderat einstimmig zur Intendantin gewählt wurde.
Ich habe es eigentlich sehr schön gefunden. Natürlich ist es was anderes, wenn du dann wirklich vorne stehst und dich für alles allein verantworten musst. Und zwischendurch war schon der Gedanke da, dass ich mich lieber verstecken würde. Aber ich glaube, das ist so Kleinmädchen-Denken, das uns Frauen immer noch mitgegeben wird. Als Frau zweifelt man eher, ob man der Aufgabe gewachsen ist. Das Thema der Akzeptanz als Frau an der Spitze, noch dazu als Wienerin, habe ich in Ybbs aber nie gespürt. Meine Arbeit ist von Anfang an geschätzt worden. Es war und ist auch mit viel Engagement verbunden. Ich versuche als künstlerische Leiterin, ein Programm zusammenzustellen, das so bunt ist, dass es möglichst viele Menschen abholt.
Es muss eine Mischung aus Headlinern sein, die erfahrungsgemäß nach wenigen Tagen ausverkauft sind. Und aus Newcomern und Programmpunkten, die eher dem Genre Hochkultur zuzuordnen sind, die ich dem Publikum ebenfalls zeigen möchte.
2025 hatten wir zum Beispiel einen Abend mit Adele Neuhauser und Ursula Strauß. Hier war der Ticketverkauf entgegen meiner Erwartung eher zurückhaltend. Vielleicht, weil Shakespeare im Titel vorkam und die Menschen Sorge hatten, dass es zu ernst oder zu kompliziert wird.
Ich kann aber eines garantieren: Alles, was bei der Ybbsiade zu sehen ist, hat höchste Qualität und ist fantastisch. Und wer jetzt noch nicht so bekannt ist, hat vielleicht in ein paar Jahren einen großen Namen. Wir müssen ökonomisch denken: Uns tut jede nicht-verkaufte Karte weh. Deshalb muss die Mischung stimmen. Dort, wo mehr eingenommen wird, muss manchmal ein Loch gestopft werden. Das bedeutet leider auch häufig einen Männer-Überhang im Programm, weil es einfach nicht so viele Frauen in der Kabarettszene gibt.
Es gibt beides. Die Ybbsiade besteht ja schon sehr lange – heuer ist es die 37. Ausgabe. Uns wird eigentlich immer vermittelt, dass man gerne zu uns kommt. Wir versuchen, alles zu geben, damit sich unsere Stars bei uns wohlfühlen. Nur beim Mondwasser müssten wir passen (lacht). Diesen Wunsch hatten wir aber auch noch nie. Wir möchten auch immer betonen, wie glücklich wir über die Auftritte sind.
Manchen Acts bin ich natürlich schon über Jahre nachgelaufen, zum Beispiel Kaya Yanar. Ihn habe ich mir eingebildet – und nach fünf Jahren ist es mir gelungen, ihn nach Ybbs zu bringen. Danach ist er sogar ein weiteres Mal zu uns gekommen. Ich arbeite gerade akribisch daran, ihn ein drittes Mal zu kriegen, aber unlängst habe ich gelesen, dass er mit dem Spielen aufhören möchte. Tja, dann war er immerhin auch in Ybbs. Bei Dieter Nuhr hat es sogar zwölf Jahre Geduld gebraucht, bis endlich eine Zusage kam und er 2025 bei uns aufgetreten ist. Auch bei Olaf Schubert hat es länger gedauert. Als er dann 2024 bei uns war, hat es ihm so gut gefallen, dass ich gleich den nächsten Termin eintakten durfte.
Das verrate ich noch nicht. Die Enthüllung des Ybbsiade-Programms findet ja immer feierlich im November statt, davor wird es penibelst unter Verschluss gehalten.
Michael Niavarani war noch nie bei uns. Wenn er wüsste, welche Ideen ich schon hatte, um ihn nach Ybbs zu locken. Da hätte er doch hoffentlich Mitleid mit mir. Aber ich fürchte, sein Management hat ihn damit nicht belastet, daher warte ich immer noch. Auch Josef Hader laufe ich seit Ewigkeiten nach, aber vielleicht klappt es ja zum 40. Jubiläum im Jahr 2029.
Gerade in Zeiten, in denen die Menschen Sorgen und Ängste haben, finde ich es wichtig, wenn man sich um einen fairen Preis einen schönen Abend machen kann.
Ja, man muss doch mindestens zwei Jahre im Voraus alle Entwicklungen und Geschehnisse im Blick haben. Da werden da und dort schon Einzeltermine eingebucht, bis das Puzzle komplett ist.
Ich höre oft, dass es gar kein Nachteil ist, als Intendantin nicht auch Künstlerin zu sein. Ich denke, es hat beides Vor- und Nachteile. Ich bin Lebenskünstlerin (lacht). Nein, Spaß beiseite, ich habe eine Marketing- und Eventagentur, somit bin ich auch ein bunter Vogel, der vielleicht doch einen ganz guten Blick für Organisatorisches und Kreatives hat.
Außerdem bin ich seit meiner Kindheit mit der Kabarettszene vertraut. In meiner Maturazeitung hat man mich als „die Kulturmanagerin“ vorgestellt. Das passt also ganz gut, was ich so mache. Und es bereitet mir vor allem riesengroßen Spaß. Stress ist es schon auch – und zwar ein gigantischer –, aber den kann man gut bewältigen, wenn man an der Arbeit Freude hat und auch einen Sinn erkennt.
Die Ybbsiade ist eine eigene Jahreszeit in Ybbs. Das hab ich von Anfang an so gehört und das betont auch unsere Bürgermeisterin Uli Schachner immer. Und das nicht nur wegen der enormen Umwegrentabilität. Es ist auch eine besondere Stimmung im April, das Festival färbt auf die ganze Stadt ab. Es kommen auch viele auswärtige Gäste. Unlängst hat mir jemand erzählt, dass er Ybbsiade-Karten um 1.700 Euro gekauft hat, weil er so viele Auftritte sehen möchte. Das spricht doch Bände, oder? Das heißt, unser Festival hat schon einen gewissen Namen. Auch die Künstler*innen selbst lassen es sich nach dem Auftritt noch in Ybbs gutgehen.
Starallüren überhaupt nicht, manches ist einfach nur lustig. Und ja, natürlich: Künstler*innen möchten sich darauf verlassen dürfen, dass alles da ist, was sie brauchen, damit ihr Auftritt reibungslos abläuft. Aber dafür sind wir schon bekannt, dass man sich bei uns verlassen kann und nicht verlassen ist (lacht).
Manches war schon zum Schmunzeln. Zum Beispiel hat ein Künstler seine eigene Dartscheibe samt Teppich mitgebracht, weil er für einen Wettkampf üben musste. Und ein bekannter Austropopper wollte zehn hartgekochte Eier in einer Glasschale – die waren nach seiner Abreise alle noch da. Manchmal gibt es auch Anweisungen wie „Der Künstler isst Gummibärli, aber nur die grünen“ – das war wohl eher ein Test, ob die Anweisungen gelesen werden.
Dann gab es einen Musiker, für den eine Woche vorher vom Management eine genaue Vorgabe gekommen ist, dass wir ihm nicht zu nahe kommen und ihm auch nicht in die Augen schauen dürfen. Und, dass nur ein Foto erlaubt ist und das mit einem Meter Abstand. So etwas Ähnliches hatten wir auch bei einem deutschen Schauspieler – ich möchte keine Namen nennen: Da hat das Management im Vorfeld alles abgeblockt. Jedes Interview wurde uns verwehrt. Und dann saß er in Ybbs super gesprächig und gut gelaunt auf einer Mauer an der Donau und hat zu mir gesagt: „Ich verstehe das nicht, interessiert sich die Presse überhaupt nicht für mich?“
Lustig war auch eine Geschichte mit der Falco-Band, wo ein Musiker in der Jogginghose angereist und in Ybbs draufgekommen ist, dass er den Koffer mit dem Gewand daheim vergessen hatte. In Ybbs gab es damals zwei Modegeschäfte. Im einen hab ich ihm kurz vor der Show noch schnell eine Hose besorgt und im anderen ein Hemd – nur nach Augenmaß und das Ganze mit einer gebrochenen Zehe. Er hat nachher gemeint, das war das bequemste Bühnen-Outfit, das er jemals hatte. Solche Anekdoten sind natürlich wunderschöne Erinnerungen.
Wir haben die Kartenpreise heuer um einen Euro angehoben. Die Karten kosten bei uns zwischen 29 und 62 Euro. Kabarett ist vergleichsweise immer noch günstig. Es muss für alle leistbar bleiben.
Gerade in Zeiten, in denen die Menschen Sorgen und Ängste haben, finde ich es wichtig, wenn man sich um einen fairen Preis einen schönen Abend machen kann. Humor brauchen wir, davon bin ich überzeugt. Gemeinsames Erleben auch, daher ist unser Motto der heurigen Ybbsiade: Besser gemeinsam als einsam!
Die 37. Ybbsiade findet vom 9. April bis zum 2. Mai statt. Seit 1989 veranstaltet die Stadtgemeinde Ybbs an der Donau jährlich ein drei- bis vierwöchiges Kabarett- und Kulturfestival. Gespielt wird in der Ybbser Stadthalle.
Heuer dabei sind unter anderem die Kernölamazonen, Gery Seidl, Roland Düringer, Ernst Molden & Das Frauenorchester sowie Peter Filzmaier & Armin Wolf. Außerdem gibt es einen Zusatztermin im November mit dem TV-Hit „Single Bells“ live auf der Bühne.


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