In mir brodelt es seit Tagen. Mehr als sonst. Es geht so weit, dass ich nicht schlafen kann, weil sich in mir so viele Emotionen vermischen: Wut, Traurigkeit, Fassungslosigkeit, Hilflosigkeit, Ekel, Entschlossenheit, Erleichterung, Dankbarkeit.
Und gleichzeitig ist da diese Müdigkeit, meine Meinung kundzutun – weil ich gefühlt schon alles tausendfach gesagt, geschrieben, geschrien oder geweint habe. Und weil im Außen längst sehr viel Wertvolles, Richtiges und Wichtiges dazu gesagt wurde.
Die momentan medial sehr präsenten Fälle sind unterschiedlich, haben aber einen gemeinsamen Nenner: Männer, die Frauen erniedrigen. Das geht sehr nahe – auf verschiedenen Ebenen: auf der einer Mutter, einer Tochter, einer Freundin, einer Liebenden, einer Frau, eines Menschen.
Und dann gibt es da immer wieder Bagatellisierungen. Bemerkungen in meinem Umfeld, auf Social Media, in der Öffentlichkeit. Und genau deswegen ist noch immer nicht alles gesagt. Und das Brodeln hört nicht auf.
Solange Männer sich abputzen, wegschauen und keine Meinung beziehen, weil sie ja selbst „nicht so sind“ und andere Männer nicht in die Verantwortung nehmen; solange Frauen, die laut sind und für ihre Rechte kämpfen, als Männerhasserinnen oder frustrierte Feministinnen bezeichnet werden; solange Männer Frauen klein machen – im beruflichen, privaten oder öffentlichen Bereich, physisch wie psychisch; solange misogyne und abwertende Witze über Frauen gemacht werden und andere darüber lachen, anstatt sie zu hinterfragen; solange Männer schweigen, mit Klagen drohen oder sich entziehen, sobald ihre Macht zu bröckeln droht – solange ist jedes Wort lebensnotwendig, um eine langfristige, strukturelle Veränderung im Inneren und im Äußeren zu schaffen.
Und genau deshalb: Männer, hört auf, euch hinter „ich bin nicht so“ zu verstecken. Dieses Wegschauen, dieses Schweigen, dieses Relativieren – das ist Teil des Problems. Solange ihr nichts sagt, nichts tut, nichts riskiert, steht ihr nicht daneben. Ihr steht auf der falschen Seite.
Also hört auf, bequem zu sein. Hört auf, euch rauszuhalten. Werdet laut, wenn andere leise bleiben. Greift ein, wenn andere lachen. Stellt euch gegen Männer, auch dann, wenn es unangenehm ist, wenn es euch etwas kostet, wenn es euer eigenes Umfeld betrifft. Und hinterfragt auch euer eigenes Handeln. Ehrlich. Konsequent. Ohne Ausreden.
Denn Veränderung passiert nicht durch Distanz. Sie passiert durch Haltung. Und die zeigt sich genau dann, wenn es unbequem wird.
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