25 Jahre ist es her, dass Gerald Pichowetz das Gloria Theater an der Prager Straße in Wien-Floridsdorf gegründet hat. Ein knappes Vierteljahrhundert leitete der Publikumsliebling das Haus, ehe er im Juni 2024 im Alter von 59 Jahren verstarb. Nur wenige Stunden vor seinem Tod stand Claudia Rohnefeld mit Gerald Pichowetz auf der Bühne – nun tritt sie in seine Fußstapfen und läutet mit der Wiedereröffnung am 10. März eine neue Ära ein. funk tank hat sie im Haus beim Floridsdorfer Spitz besucht, das nach eineinhalb Jahren Leerstand nun runderneuert wird.
Ein Gespräch mit der Hausherrin über die Zukunft des Gloria Theaters und Rohnefelds Vergangenheit im Simpl, wo sie auch die erst dritte Conférencière in mehr als hundert Jahren war.
Claudia Rohnefeld: Etwa eineinhalb Monate vor seinem Tod hat mich Gerald Pichowetz gefragt: „Magst du’s haben?“ Wir haben aber danach nie wieder darüber geredet. Als er dann gestorben ist, wollte seine ehemalige Freundin Angelika Zoidl, die auch Direktionsmitglied war, das Haus nicht weiterführen. Sie wurde zwar von der Stadt Wien gefragt, hat aber abgelehnt. Und gleichzeitig gesagt: Wenn sie einen Namen empfehlen dürfte, dann wäre es meiner. Da wusste ich noch gar nichts davon. Ich selbst habe nicht aufgezeigt, sondern mir ist ein Theater in den Schoß gefallen.
Da ich aufgrund meiner Tätigkeit als Schauspielerin, Intendantin und Regisseurin wirklich mein Handwerk schon lang genug beherrsche, weiß ich auch hier, was ich tue: nix anderes als das, was ich seit über dreißig Jahren mache, nämlich Theater. Zu mir sagen ganz viele Kolleginnen und Kollegen: „Du bist aber mutig.“ Da kann ich nur sagen: Nein, überhaupt nicht. Ich weiß ja, was ich tue – und das seit 1994. Ich mach nix, was ich nicht schon einmal gemacht hätte. Seit ich meine Schauspielausbildung begonnen habe, weiß ich, was ich auf der Bühne tun muss.
Nein. Meine Mutter hat mir erzählt, dass ich schon mit drei Jahren wusste: „Ich möchte Schauspielerin werden.“ Ich hatte nie einen anderen Berufswunsch. Ich habe zwar brav die Matura gemacht, weil man es halt so macht, aber sofort danach bin ich in die Schauspielschule Krauss gegangen. Spätestens als ich in den Achtzigern „Cats“ gesehen hab, war klar: Das ist es. Für mich gibt es nix anderes als die Schauspielerei. Zum Bedauern meiner Eltern, glaube ich.
Ja, verrückt. Das Gute ist, dass ich an meiner Seite einen Theatermanager habe: meinen Co-Direktor Michael Mittermeier, der alles Kaufmännische macht. Und ich übernehme alles Künstlerische. Somit brauche ich mich nicht ums Geld zu kümmern – ist das nicht schön? (Sie schmunzelt.)
Es wird auf jeden Fall meine Handschrift haben, weil ich auch inszenieren werde. Aber es bleibt ein Komödien- und Boulevard-Haus. Das Gloria Theater ist ja das größte Boulevard-Haus Wiens und das soll es auch bleiben. Gerade der Standort hier im Norden der Stadt ist gut und wichtig dafür.
Mein Anspruch ist, dass sich die Generationen bei uns im Haus überschneiden. Wenn etwas lustig ist, können alle darüber lachen.
Ja. Wir haben eine eigene Social-Media-Betreuerin. Ich kenne aber auch schon einige Kniffe. Also wenn künftig dort etwas auftaucht, könnte es auch von mir persönlich sein. (Sie schmunzelt wieder.)
Es ist fast 25 Jahre lang kaum etwas gemacht worden. Bei der jetzigen Übernahme war auch der Vermieter daran interessiert, einige Dinge zu erneuern. Zum Beispiel ist die gesamte Elektrik ausgetauscht worden. Die Sanitärbereiche hat auch der Vermieter neu gemacht. Nach dem Tod von Gerald Pichowetz ist das Gloria Theater leider in eine Insolvenz geschlittert, da kam es dann zu einer Versteigerung. Was wir dabei nicht ersteigern konnten, mussten wir nachkaufen, zum Beispiel das Mobiliar im Zuschauer*innen-Bereich und im Foyer. Die Bestuhlung im Saal ist erhalten geblieben, sie ist Eigentum der Stadt Wien. Wir mussten im Proben- und Bürobereich neue Böden verlegen. Im Foyer haben wir neu ausgemalt. Und es gibt auch eine schöne neue Tapete, auf die ich mich schon sehr freue. Ich hab im Interieur-Bereich eine kleine Ausbildung – da kann ich jetzt meine Kenntnisse nutzen. (Erneutes Schmunzeln.)
Das ist richtig. Natürlich muss man Geld in die Hand nehmen, damit sich die Zuschauer*innen ab der Türschwelle wohlfühlen und gerne wiederkommen. Das fängt damit an, dass wir den Barbereich und die Garderobe erneuern, dass sich die Leute vom ersten Achterl, das sie an der Bar trinken, bis zum Stück, das sie sehen, wohlfühlen. Wir schenken übrigens einen Floridsdorfer Wein aus. Ich bemühe mich um Nachhaltigkeit und Regionalität, soweit es die Finanzen erlauben.
Unbedingt! Der Altbestand – ich sage das jetzt nicht despektierlich, sondern äußerst liebevoll – bleibt erhalten. Aber es werden auch Kolleginnen und Kollegen hier spielen, die noch nie im Gloria Theater waren. Zum Beispiel Steffi Paschke, die ich aus dem Kabarett Simpl kenne und auf die ich mich wahnsinnig freue. Das sind so meine liebevollen Schätze, die ich ausgrabe und auf die Bühne bringe.
Jaja, ich war die dritte Conférencière. In meinen zwölf Jahren am Simpl habe ich bei sechs Revuen mitgemacht, davon zwei confériert und drei Jahre „Krawutzi Kaputzi“ gespielt. Also ich glaube, die Komödie und den Humor kann ich ganz gut, wenn ich will. (Schmunzelnd.)
Ich hatte nie einen anderen Berufswunsch. Ich habe zwar brav die Matura gemacht, weil man es halt so macht, aber sofort danach bin ich in die Schauspielschule Krauss gegangen. Spätestens als ich in den Achtzigern „Cats“ gesehen hab, war klar: Das ist es. Für mich gibt es nix anderes als die Schauspielerei.
Nein, wir wissen ja nicht, was die Zeit noch bringt. Joachim Brandl, der aktuell Conférencier ist, macht das hervorragend. Und er tut auch das, was ein Conférencier machen muss, nämlich das politische Tagesgeschehen humorig auf die Bühne zu bringen. Das kann der Joachim sehr, sehr gut. Wer ihm nachfolgen wird, wissen wir nicht. Durchaus möglich, dass es wieder eine Frau sein wird, warum auch nicht?
Ich war noch unter Direktor Albert Schmidleitner Conférencière. Damals war der Anspruch, dass das eine zwanzigminütige Nummer ist. Und gerade im Simpl ist man durch den wenigen Platz auf der Bühne sehr nah am Publikum. Direkt vor dir sitzen die ersten Zuschauer*innen, direkt hinter dir ist der rote Vorhang. Das Simpl-Publikum ruft auch gern einmal was herein oder redet mit – das ist oft sehr lustig. Und natürlich, wenn jemand zu spät kommt, da hat man sehr viele humorige Anhaltspunkte. Aber es ist auf jeden Fall etwas anderes. Ich glaube, dass man Conférieren und Theaterschauspielen gar nicht miteinander vergleichen kann.
Nein. Aber man muss sich wirklich extrem mit der Tagespolitik beschäftigen, damit man aktuell bleibt. Und das muss man halt auch können. Ich habe gesagt: „Ich kann das lustig verkaufen. Ich weiß nur nicht, ob ich auch tatsächlich eine Conférence selber schreiben kann.“ Letztlich ist es mir manchmal sehr gut gelungen und manchmal weniger, wie es halt in jedem Job passiert. Natürlich hat mir Michael Niavarani als Künstlerischer Leiter immer geholfen und mir auch ein bisschen auf die Finger geschaut. Und vor allem bei der ersten Conférence hat er geschaut, in welche Richtung es geht. Aber da hat er gesagt: „So viel zu ändern ist da gar nicht.“ Auch Oliver Baier hat sich mit der einen oder anderen Wuchtel eingebracht. Also, ich war nicht alleine.
Überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil. Das, was ich geschrieben hab, das ist dann schon so geblieben. Höchstens ergänzt um die eine oder andere Wuchtel. Ich weiß noch, dass ich damals die ersten Dinge über Donald Trump gesagt habe.
Nein. Ich möchte eigentlich auch so wenig wie möglich über ihn reden, weil er eh dauernd präsent ist. Da braucht er nicht auch noch von mir Aufmerksamkeit.
Es sind natürlich einige Dinge überzeichnet, aber es entspricht schon der Wahrheit. Wir hatten gestern eine erste Probe. Und im Stück spricht der Regisseur den einen Darsteller immer mit „Schatzilein“ an. Nach der Probe hat Christoph Fälbl, mit dem ich seit über dreißig Jahren befreundet bin, angefangen: „Du Schatzilein, hast du schon ...?“ Und ich hab zu ihm gesagt: „Stoffi, wir sind wie im Stück!“ (Sie lacht.) Und ja, im Theater kann es auch die gröbsten Streitereien oder Affären geben.
Gleich im Anschluss an „Der nackte Wahnsinn“ spielen wir „Zwei links, zwei rechts“, eine Verwechslungskomödie mit zwei Ehepaaren in einem englischen Landhaus. Die ist auch wahnsinnig lustig, da hab ich beim Lesen schon so unfassbar viel gelacht. Grundsätzlich werden wir in erster Linie bei Boulevardkomödien bleiben, aber es wird zwischendurch auch wieder eine Musikkomödie geben, weil ich weiß, dass das sehr gut beim Publikum ankommt. Also eine Komödie mit viel Musik, kein Musical.
Ich spiele im Mai zweimal mein Duo-Programm „Im Pyjama seiner Majestät“ mit Thomas Schreiweis, das ist eine Krimikomödie. Sonst bin ich jetzt einmal in erster Linie damit beschäftigt, zu inszenieren – und ich bin ja auch noch Theaterleiterin, das allein ist schon ein Fulltime-Job. Aber ich werde mir nächste Saison die Zeit nehmen, auch auf der Bühne zu stehen, damit die Leute sehen, wer da jetzt eigentlich in der Direktion herumsitzt.
Claudia Rohnefeld ist Schauspielerin, Regisseurin und Intendantin. Bekannt wurde sie unter anderem als langjähriges Ensemblemitglied des Kabarett Simpl, wo sie als dritte Conférencière in der über hundertjährigen Geschichte des Hauses auftrat.
Das Gloria Theater wird am 10. März neu eröffnet. Das Haus am Floridsdorfer Spitz gilt als größtes Boulevardtheater Wiens und setzt auch mit der neuen Hausherrin Claudia Rohnefeld weiterhin auf Komödien und unterhaltsames Sprechtheater.


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