Queen of Green aus Wien Interview

Die Wiener Label-Betreiberin Julia Schauer entwickelte mit einer Mikrobiologin eine umweltbewusste Lippenpflege. Ihre drei unterschiedlichen Pflegestifte sind vegan, tierversuchsfrei und dank komplett abbaubaren, FSC-zertifizierten und mit Sojatinte bedruckten Kartonhüllen zu 100% plastikfrei. Die Idee vegane Pflegeprodukte herzustellen, kam über Umwege …

funk tank: Ihr Vater ist Apotheker, Sie selbst waren viele Jahre Beauty-Redakteurin – kein klassischer Weg zur Kosmetik-Produzentin, dennoch verfügen Sie über ein großes Know-how in diesem Bereich. Was hat Sie schlussendlich dazu bewegt, „Queen of Green“ zu gründen, und welche Meilensteine haben Sie in den vergangenen 2 Jahren gemeistert?
Julia Schauer: Als Beauty-Redakteurin gingen jahrelang alle Kosmetikneuheiten über meinen Schreibtisch. Natürlich konnte ich nicht alles testen, aber Lippenpflege habe ich immer ausprobiert – wegen meiner trockenen Lippen. Leider hat mich selten ein Produkt komplett überzeugt. Daher habe ich irgendwann beschlossen, es selbst zu machen. Und klar, ich habe mir die Messlatte schon recht hoch gelegt. An meinen Ansprüchen – intensiv pflegend, hochwertig, vegan, plastikfrei und natürlich – wäre ich mehrfach beinahe gescheitert. Angefangen bei der Formulierung mit veganen Wachsen über die perfekte Kartonverpackung bis hin zur idealen Sojatinte und den besten Rohstoffen. Die Reise war voller Hindernisse, aber ich habe auch wirklich viel gelernt.
Einiges würde ich vermutlich heute anders machen, aber dazu sind Erfahrungen ja da.
Portrait Queen of Green Julia Schauer
© Gerhard Merzeder
Die Bezeichnung „Nachhaltige Naturkosmetik“ wird mittlerweile oft inflationär verwendet. Was macht für Sie ein nachhaltiges Produkt aus?
Das perfekt nachhaltige Produkt gibt es nicht. Aber man kann versuchen, zumindest einige Aspekte zu optimieren. Daher habe ich mich gegen die klassische Plastikhülle und für eine Version aus FSC-zertifiziertem Karton entschieden, die sich am Kompost oder in der Erde nach ca. 6 Wochen zersetzt. Um einen Anreiz zu bieten, die leere Hülle auch wirklich einzugraben, habe ich Blumensamen in die Hülle integriert. Welche Blumen das sind, findet man nur heraus, wenn man die Hülle vergräbt. Zusätzlich achte ich bei meinen Rohstoffen auf einen hohen Bio-Anteil – das kommt der Umwelt zugute und uns natürlich ebenso. Wir essen nämlich unbewusst ca. 5 Lippenstifte pro Jahr. Da ist es schon gut, wenn das natürliche und plastikfreie Stifte sind, oder?!
Erzählen Sie uns bitte mehr über Ihre vegane Lippenpflege.
Für meine Pflegestifte verzichte ich bewusst auf tierische Produkte wie Lanolin oder Bienenwachs. Und natürlich auf Tierversuche. Tierleid ist nicht notwendig, um tolle Kosmetik zu machen. Zugegeben, die perfekte Kombination aus den unterschiedlichen veganen Wachsen zu finden, war schon eine ganz schöne Herausforderung.
Lippenpflege Serie von Queen of Green
© Oliver Topf
Das Packaging von Queen of Green fällt auf – verspielt, weiblich, sehr schön anzusehen. Wie wichtig ist die Optik der Verpackung im Zeitalter von Instagram & Co. Ihrer Meinung nach? Wer ist Ihre Zielgruppe?
Ich denke, dass eine ansprechende Verpackung extrem wichtig ist. Dadurch werden die Leute auf das Produkt aufmerksam. Überzeugen muss jedoch schon der Lipbalm selbst, aber Kunden „anlocken“ müssen zuerst mal äußere Werte. Meine Zielgruppe sind zumeist Frauen, die zwar gern nachhaltig kaufen möchten, aber dafür keine Kompromisse bezüglich Pflegewirkung und Design machen wollen.
Apropos Schönheit. Wie definieren Sie Schönheit?
Schön ist, wer glücklich ist und von innen strahlt. Ich sehe so viele faltenlose Gesichter, die nicht mit sich selbst zufrieden wirken und das auch ausstrahlen. Natürlich ist es toll, schöne Haut zu haben, aber man muss sich in dieser auch wohlfühlen.
Model Queen of Green
© Gerhard Merzeder
Spröde Lippen betreffen sowohl Frauen als auch Männer. Könnten Sie sich in Zukunft auch ein breiteres Angebot vorstellen, also auch Männerkosmetik? Wie sehen Ihre Pläne der kommenden Monate aus?
Einige Männer haben mich bereits gefragt, warum es keine „King of Green“ Linie oder zumindest einen Stift für Männer gibt. Darauf antworte ich immer recht rasch, dass dieses Produkt zwar gern von selbstsicheren Männern gekauft und genutzt werden kann, aber auf die weibliche Kundschaft zugeschnitten ist. So viel in unserem Leben ist für Männer designt, bei Queen of Green ist das mal umgekehrt. Aber keine Sorge, es wird trotzdem neue Produkte geben. Ich arbeite gerade auf Hochtouren an einem neuen, größeren Pflegestick. Der pflegt trockene Hautstellen wie Hände, Ellenbogen, Füße, ... besonders intensiv und wird im Winter ein Traum sein!

Wir essen unbewusst 5 Lippenstifte pro Jahr. Da ist es schon gut, wenn das natürliche und plastikfreie Stifte sind.

Was darf in Ihrem Beauty-Case auf Reisen nicht fehlen?
Die Liste wird jedes Jahr kleiner. Nicht weil ich jedes Jahr jünger werde, sondern weil ich immer mehr merke, was ich wirklich brauche. Ich habe immer ein Hyaluronserum und Sonnencreme dabei, ein leichtes Fluid, meinen neuen Ringelblumen-Stick „Helpful Helena“ und natürlich meine drei Lipbalms: die intensive „Caroline“ und die getönte „Rosalie“ für tagsüber und die glättende „Sophie“ für die Nacht.
Der Winter kommt bestimmt … und damit trockene Lippen, Haut und Haare. Wie können wir uns jetzt schon wappnen, um die kommenden Monate Beauty-technisch gut zu überstehen?
Jetzt schon mit reichhaltiger Pflege zu beginnen, ist auf jeden Fall eine gute Idee. Ist die Haut erst trocken und die Lippen spröde, ist es viel schwieriger, sie wieder glatt und weich zu pflegen. Meine Overnight-Pflege „Sleepy Sophie“ ist ideal dafür, weil sie kleine Schäden repariert und dank Hyaluronsäure und Kokosextrakt sogar kleine Fältchen aufpolstert.

Julia Schauer hat 124 Pflegestifte getestet, um ihr Ziel zu erreichen: Herausgekommen sind drei Lippenpflege-Produkte, die vegan, tierversuchsfrei und plastikfrei sind. Über ihre Produkte von Queen of Green sagt sie: „Nachhaltig, natürlich, vegan oder schön? Meine Vision ist es, das oder durch ein und zu ersetzen und Pflege anzubieten, die alles kann, was wir uns wünschen und erträumen.“

Queen of Green

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Fairtrade 30 Jahre Interview

Dreißig Jahre „Fairtrade“ in Österreich. Was hat sich durch den Einsatz der Organisation für die Kaffeebäuerinnen und -bauern in den vergangenen Jahren geändert, was soll in den nächsten 30 Jahren geschehen? Wir haben jemanden gefragt, der es wissen muss: Die Kaffeesommelière Alexandra Urban hat sich als Beraterin für Röstereien und als Ausbilderin für Kaffeefachleute einen Namen gemacht. Seit dem Frühjahr 2023 ist sie Kaffeemanagerin bei Fairtrade International.

funk tank: Vor 30 Jahren war Kaffee das erste Fairtrade Produkt in den österreichischen Regalen. Heute werden hierzulande täglich rund 1,5 Millionen Tassen Fairtrade Kaffee konsumiert. Was hat sich dadurch verändert?
Alexandra Urban: Konsument*innen haben durch ihre Kaufentscheidung Macht. Eine Tasse fair gehandelten Kaffee zu trinken, mag nach wenig aussehen. Aber es ist eine bewusste Kaufentscheidung, die – vor allem in der Masse – einen Unterschied macht! 1,5 Millionen dieser Kaufentscheidungen täglich sind gigantisch und haben in den vergangenen 30 Jahren bei den Fairtrade Kaffeebauernfamilien viel bewegt. Die Produzent*innen profitieren am meisten vom fairen Handel, wenn ihre Kooperationspartner*innen ihren Kaffee zu Fairtrade Bedingungen verkaufen können. Deshalb ist es ermutigend zu sehen, wie viele Menschen Wert darauf legen, nachhaltige Entscheidungen zu treffen und dies zu einem Teil ihrer täglichen Routine machen.
Portrait Kaffeesommelière Alexandra Urban
© Anne Barth Photography
Was muss das Ziel von Fairtrade für die nächsten 30 Jahre sein?
Es gibt viele Entwicklungen, auf die wir auch kurzfristig reagieren müssen, wie bereits in der Vergangenheit getan. Die weltpolitische Lage, der Markt, die Anforderungen der Konsument*innen sowie die rechtlichen Rahmenbedingungen sind stets im Wandel. Wir beobachten, dass die Anforderungen an die Kaffeeproduzent*innen immer größer werden – in Bezug auf Transparenz und Rückverfolgbarkeit, Qualität und Weiterverarbeitungsprozesse, aber auch aufgrund der aktuellen Anforderungen an entwaldungsfreie Lieferketten und den ökologischen Landbau – und natürlich durch die Auswirkungen der Klimakrise. Studien haben vorausgesagt, dass etwa die Hälfte der derzeitigen Kaffeeanbauflächen bis 2050 aufgrund steigender Temperaturen für den Kaffeeanbau ungeeignet sein wird. In Anbetracht all dieser Entwicklungen ist es wichtig, dass die Produzent*innen die finanziellen Ressourcen haben, sich darauf einzustellen, nicht zuletzt durch einen fairen Preis für ihre Kaffeeernte. Aber auch Ertragssteigerungen, eine höhere Produktivität, ein leichterer Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten und die Diversifizierung des Einkommens, um aus Abhängigkeiten herauszukommen, sind anzustrebende Ziele, um nur einige zu nennen. Wir wissen zwar nicht, was in den nächsten 30 Jahren alles passieren wird, aber wir wissen, wie wichtig es ist, dass die Produzent*innen mit am Tisch sitzen, um Entscheidungen zu treffen und um gemeinsam die Zukunft von Fairtrade zu gestalten. Kurz gesagt: Wir sollten mehr vom Gleichen tun, aber intelligenter, gezielter und ressourcenschonender als je zuvor!
Kaffeefarmer Fairtrade
© Christoph Koestlin / Fairtrade
Die Teuerung war und ist noch immer ein globales Problem. Studien haben gezeigt, dass Fairtrade Kleinbauernfamilien Kostenschwankungen besser als Landwirt*innen verkraften, die nicht dem fairen System angehören. Warum?
Die Teuerung hat viele Kaffeeanbauländer stark betroffen. Die Inflationsrate ist zum Teil viel höher als bei uns. Auch haben sich die Kosten für die Kaffeeproduktion durch gestiegene Preise für Düngemittel, Arbeitskräfte, Transport und so weiter enorm erhöht. Der Fairtrade Mindestpreis ist ein wirksames Mittel, um diesem Trend Rechnung zu tragen, denn er gewährleistet Planungssicherheit. Durch dieses Sicherheitsnetz sind Kleinbauernfamilien der Organisation resilienter, da sie mit dem Wissen, dass der Verkaufspreis unabhängig vom schwankenden Weltmarktpreis eine bestimmte Marke nicht unterschreiten wird, planen können. Das ist enorm wichtig!

Wir sollten mehr vom Gleichen tun, aber intelligenter, gezielter und ressourcenschonender als je zuvor.

Stichwort global: Auch die Klimakrise ist ein Problem, das vor niemandem haltmacht. Kaffee ist eine sehr klimasensible Pflanze. Wie begegnen Fairtrade Kaffeebauernfamilien dem Klimawandel?
Fairtrade Kaffeebauernfamilien stehen in punkto Klimawandel an der vordersten Front. Für sie sind die Auswirkungen der Klimakrise tägliche Realität. Einige leiden bereits unter dem Verlust von Land und Ernten und kämpfen um ihre finanzielle Lebensgrundlage. Denn extreme Wetterbedingungen, steigende Temperaturen und die damit verbundenen Veränderungen im Ökosystem beeinträchtigen ihren Ernteertrag und manchmal auch die Qualität des Kaffees. Die Fairtrade Prämie, die zusätzlich zum Fairtrade Mindestpreis gezahlt wird, kann für Projekte eingesetzt werden, die der Anpassung an den Klimawandel dienen. Dies können Baumpflanzungen zur Vermeidung von Bodenerosionen, Bewässerungsprojekte, die Diversifizierung von Anbauprodukten und die Verjüngung der Kaffeebäume sein, abhängig von den lokalen Gegebenheiten und Bedürfnissen.
Kaffeebauern Fairtrade bei der Arbeit
© Rosa Panggabean / Fairpicture Fairtrade
Fairtrade Kaffee wird mittlerweile international geschätzt und nachgefragt, und die Spezialitätenkaffees nehmen regelmäßig an Wettbewerben teil. Wie unterstützt die Organisation das Qualitätsbewusstsein der kooperativen Mitglieder?
Wir haben beispielsweise auf der SCA-Messe in Portland und der World-of-Coffee-Messe in Athen zwei öffentliche Verkostungen der Gewinner der nationalen Golden-Cup-Wettbewerbe organisiert. Das war eine schöne Möglichkeit, um die Vertreter*innen der Kooperationspartner*innen und potenzielle Käufer*innen zusammenzubringen und auch einfach „die Tasse sprechen zu lassen“. Die Besucher*innen der Messe konnten Kaffees verkosten und sich selbst ein Bild von der überragenden Qualität machen. Zu sehen, wie so hochwertige Qualitäten angenommen werden und dass man dafür auch eine zusätzliche Qualitätsprämie erhalten kann, ist natürlich für die Produzent*innen ein enormer Anreiz. Auch dadurch wird ihr Qualitätsbewusstsein gefördert.
Kaffeebohnen mit Hand
Milo Miloezger / Unsplash
Gibt es neue internationale Kaffeetrends, die auch für die Konsument*innen in Österreich spannend sind?
Vielleicht nicht das, was Sie unter einem Trend verstehen. Doch die Entwicklung, die wir derzeit beobachten, ist die weitere Verbreitung von vermeintlichen Nachhaltigkeitssiegeln, die keine wirksamen Standards mit sich bringen. Das ist für viele Konsument*innen ein Problem, da es oft schwer zu wissen ist, worauf sie vertrauen können. Umso wichtiger wird zukünftig das Fairtrade Siegel mit seinen hohen Bekanntheits- und Vertrauenswerten sein, gestützt durch umfangreiche Standards sowie regelmäßige und unabhängige Kontrollen. Aber auch neue gesetzliche Bestimmungen wie das geplante EU-Lieferkettengesetz werden hoffentlich dazu beitragen, die Wettbewerbsbedingungen anzugleichen. So kann sichergestellt werden, dass beim Kauf von fairen Produkten die Produzent*innen wirklich profitieren und die Konsument*innen nicht in die Irre geführt werden. Bei Qualitätswettbewerben wie bei der Taza Dorada („Goldene Tasse“) schicken Fairtrade zertifizierte Kooperationspartner*innen ihre besten Kaffees ins Rennen – ein großer Ansporn für die Produzent*innen, höchste Qualitäten anzubauen und eine tolle Wertschätzung ihrer Arbeit.

Alexandra Urban ist diplomierte Politologin und Wirtschaftsgeographin mit Schwerpunkt Lateinamerika und seit über zehn Jahren in unterschiedlichen Funktionen in der Fairtrade Kaffeewelt zu Hause. Sie hat Erfahrung in der Qualitätskontrolle, im Rohkaffeeeinkauf sowie in der Abwicklung von Direktimporten für verschiedene Röstereien und schult Kaffeefarmer*innen, -röster*innen und -händler*innen. Seit Anfang des Jahres arbeitet sie als Kaffeemanagerin im Team Global Products, Programs & Policy von Fairtrade International.

Fairtrade

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